DER ORTSNAME WALLUF ALS FAMILIENNAME

Überarbeitete Form des in den "Beiträgen zur Wallufer Ortsgeschichte" Heft 1, erschienenen Artikels.

© Norbert Michel

Familiennamen in unserem Sinn sind in Deutschland etwa seit dem 12. Jahrhundert gebräuchlich. Vom Westen und Süden ausgehend setzten sie sich bis ca. 1600 in den meisten deutschen Territorien durch. Die Bedeutung, die der Familienname heute besitzt, war damals allerdings noch nicht überall gegeben. Das geht unter anderem auch aus verschiedenen Niederwallufer Steuerlisten des ausgehenden 17. und des beginnenden 18. Jahrhunderts hervor. Diese Listen sind nach dem Rufnamen der steuerpflichtigen Einwohner geordnet.

Meist bildeten sich Familiennamen aus Personennamen (Michel), Berufsbezeichnungen (Wagner), Körpermerkmalen (Groß) oder Herkunftsorten (Dotzheimer).

Die starke Binnenwanderung während des Mittelalters und hier vor allem die Besiedelung der Ostgebiete begünstigte die Familiennamenbildung nach den Herkunftsorten.

Das in bestimmten Abständen stattfindende Familientreffen der Namensträger Espenschied im gleichlautenden Ort Espenschied im Rheingau brachte mich auf den Gedanken, nach Vorkommen des Familiennamens Walluf zu suchen.

Der Wiesbadener Heimatforscher A.H.Meuer schreibt im Jubiläumsheft der Sängervereinigung Niederwalluf, 1951, folgendes:

"Nachstehend einige Nachrichten über die in Niederwalluf angesessenen Adeligen. Ein eigenes Adelsgeschlecht von Waldaffe, das am Mainzer Kurhofe als Ministerialen bedienstet, tritt hier in den Jahren 1130 bis 1228 auf. Im Jahre 1184 macht ein Ritter Anlese von Waldaff dem Kloster Eberbach eine gegenüber von Walluf gelegene Rheinaue streitig".

Meuer vermutet, daß dem Geschlecht die heutige Kirchgasse 10, der Stadioner Hof (Kaserne) gehört hat. Womit er allerdings einer weitverbreiteten Fehlinformation aufgesessen ist. Der Adelshof in der Kirchgasse 10 wurde erst um das Jahr 1700 errichtet. Vorher standen an dieser Stelle 3 bürgerliche Häuser. Leider macht Meuer keine Quellenangaben und vermerkt auch nichts über das weitere Schicksal der Ritter von Walluf.

Otto Renkhoff erwähnt in " Wiesbaden im Mittelalter" unter den Adeligen, welche vor der Mitte des 13. Jahrhunderts über Grundbesitz in Wiesbaden verfügten, einen Slich von Walluf.

Weller erwähnt in der Niederwallufer Schulchronik einen Konradus de Waldaffa, welcher im Jahre 1134 bei einer Güterschenkung an das Kloster Eberbach als Zeuge genannt wird. Bei einer zweiten Schenkung im gleichen Jahr erscheint ein Franco de Waldaffa.

Der Rheinische Antiquarius Chr. von Stramberg schreibt in Band 11, Abt. II, Seite 11: Ein Ministerialgeschlecht von Waldaffa (Niederwalluf) kommt von 1130 bis 1255 vor. Er nennt 1130 Franco und Konrad von Waldaffen, 1135 Ruthard, 1184 Anselm, 1207 Werneranus und Franco, 1255 Meingotus.

Im Nekrolog des Klosters Klarenthal bei Wiesbaden wird eine Klosterfrau Soro Elisabeth und deren Mutter Sofia de Waldaffa genannt. Die Mutter trat im Alter als Affilierte (Mitglied des Ordens) in das Kloster ein. Beide hatten dem Kloster reiche Schenkungen in Ober- und Niederwalluf gemacht.

In der "Rheingau Genealogie" von Kretschmar/Schaffner, 1964, Band 2 wurde das katholische Kirchenbuch von Hattenheim der Jahre 1643 bis 1687 ausgewertet.

Hier findet man den Namen in den Schreibweisen Walluff, Walff und Wallff, aber immer für Angehörige einer Familie!

So wird z. B. 1644 der Glöckner Johann Wendel Walluff, Sohn des Johann Walluff als Taufpate genannt. Am 1. Januar 1652 wird in Hattenheim als Taufpate ein Wendelin Walluf, Pfarrer und Dekan in Soberheim, bei der Taufe von Johann Wendelin, 2. Kind des Gregor Haust und dessen Frau Anna Maria geb. Feuerbach genannt. Das Paar hatte 1647 in Hattenheim geheiratet.1672 erscheint der Schöffe Andreas Wallff als Trauzeuge. In einem Verzeichnis der Landschreiberei aus dem Jahre 1665 wird er ebenfalls als Ratsperson genannt. Allerdings schreibt er sich hier "Walluff". Das Verzeichnis nennt außerdem Michell Walluff, Pedel der Gemeinde Hattenheim. 1682 wird der Bürger Wendel Wallff als Taufpate erwähnt. Kretschmar/Schaffner nennen 25 Personen die den Namen Walluf führen. Wahrscheinlich sind sie alle Nachkommen des schon vor 1645 verstorbenen Johann Walluff und seiner Frau Eulalia.

Im Kopulationsregister der Stadt Wiesbaden 1685 bis 1712 findet sich folgender Eintrag: Am 15. 02. 1689 heiraten "Martin Waluf, ein Bändergeselle von Hadenheim im Rheingau und Anna Margaretha Jenemännin aus dem Eisfeld (Eichsfeld), sind zwar öffentlich in der Betstund, aber ohne Kirchen Gang od. hochzeitliche Procession, darum daß sie sich mit Unzucht befleckt haben vor dem unteren Altar mit Verlesung einer gewiesenen, hierzu befleckt haben, vor dem unteren Altar mit Verlesung des gewöhnlichen Capitels wurde gelesen der 51ste Psalm und vor der Copulation das Buslied gesungen: Allein zu dir Herr Jesu Christ etc."

(Trotz dieser merkwürdigen Satzstellung entspricht die Abschrift dem Original.)

Hans Fritzen erwähnt in seinem Artikel "Profanbauten der Pfarrkirche St. Quintin im 17. und 18. Jahrhundert" ("Mainzer Zeitschrift" Jahrgang 48/49, Mainz 1954), dass der Schreiner Christ. Walluff um 1678 mehrfach für die Kirche St. Quintin in Mainz tätig wurde.

In Heft 6/1989 der Hessischen Familienkunde finden sich in einem Artikel über Frankfurter Gärtnerfamilien folgende Namen:

Die Stammtafel der Frankfurter Familie Walluf wurde übernommen aus einem, um 1930 erschienen Buch zur Geschichte der Frankfurter "Urbetriebe". Leider liegt mir nur eine Kopie der Stammtafel, ohne weitere Erläuterungen vor:

  1. Hans Walluf, Gärtner, Frankfurter Bürger und Bürgerssohn

  2. Peter Walluf, Gärtner, heiratet 1625 Clara Kröner

  3. Johannes Walluf, Gärtner, heiratet 1649 die Gärtnerstochter Bühl

  4. Johann Walluf, Gärtner, heiratet 1680 die Gärtnerstochter Hunger, die Familie Hunger ist seit etwa 1400 in Frankfurt bezeugt.

  5. Conrad Walluf, Gärtner, heiratet 1719 die Gärtnerstochter Christ, die Familie Christ ist seit ca. 1580 in Frankfurt nachgewiesen.

  6. Johann Wilhelm Walluf, Gärtner, heiratet 1749 die Gärtnerstochter Götz, die Familie Götz ist seit ca. 1690 in Frankfurt ansässig.

  7. Engelhard Walluf, Flurschütz, heiratet 1797 Catharina Faatz

  8. Peter Walluf, Maurermeister, heiratet 1830 Anna Elisabeth Bock, die Familie Bock ist seit 1589 in Frankfurt bezeugt.Die Großmutter der Anna Elisabeth war Maria Catharina Walluf, eine Tochter des oben genannten Johann Wilhelm Walluf, sie heiratete 1779 den Gärtner Georg Philipp Bock.

  9. Johann Daniel Walluf, Architekt, heiratete 1855 Wilhelmine Elisabeth Schäfer.

  10. Johann Peter Walluf, Architekt, heiratete 1881 Johanna Margaretha Schütz.

  11. Johann Daniel Walluf, geb. 30.5.1886, gefallen am 29.8.1914 in Frankreich, war verheiratet mit Elisabeth Harth.

  12. Johann Peter Walluf, geb. 9.10.1912

Auch in Walluf selbst findet man Anfang des 18. Jahrhunderts Angehörige der Familie Walluf.

In der im Heimatarchiv Walluf befindlichen Urkunde 157/1720 wird 1720 der Wallufer Bürger Michael Walluff (welcher 1719 von Schierstein zugezogen war) wegen seiner in der Eltviller Gemarkung liegenden Gütern genannt. In der Urkunde 190/1721 wird Michel Walluf erwähnt, weil er seine neunjährige Tochter Anna Margaretha nicht zum Schulbesuch anhält.

Eine Liste der Schiersteiner Haushaltungen erwähnt für das Jahr 1722 einen Haushaltsvorstand mit dem Namen Martin Walluff.

In Babenhausen heiratet am 23. 04. 1672 der aus Wenigumstadt (damals zum Kurfürstentum Mainz gehörend, ca.10 Kilometer südlich Aschaffenburg) stammende Heinrich Walluff die aus Nieder - Florstadt stammende Barbara Kaiser. In Florstadt ist noch heute eine Familie Walluf ansässig, wahrscheinlich handelt es sich um Nachkommen des oben genannten Heinrich Walluf. Am 13. August 1741 heiratet in der Dieburger Kapuziner Kirche der Witwer Johannes Kuhn die aus Wenigumstadt stammende Elisabeth Wallf. Trotz der unterschiedlichen Schreibweise, kann man davon ausgehen, daß der obengenannte Heinrich Walluff ein Vorfahre der Elisabeth Wallf ist.

Auf der familienkundlichen Homepage der Mormornen findet man unter dem Suchbegriff "Walluf" die folgenden Eintragungen:

Martin Walluf und dessen Frau Anna Catharina lassen in Kloppenheim bei Wiesbaden folgende Kinder taufen:

  1. Johann Christian Walluf, Taufe am 17. Dezember 1689

  2. Johann Michael Walluf, Taufe am 6. Januar 1695

  3. Maria Salome, Taufe am 6. Januar 1695

In Bodenheim, Rheinhessen lassen sich folgende Eintragungen finden:

Franz Walluf und Eva Kirchner werden am 2. Februar 1815 in Bodenheim getraut. Sie lassen am 1. Oktober 1818 den Sohn Sebastian taufen.

Sebastian heiratet am 20. Januar 1851 in Bodenheim Anna Maria Fell. Das Paar läßt folgende Kinder taufen:

  1. Ottilia Walluf am 14. Januar 1852

  2. Barbara Walluf am 21. August 1853

  3. Maria Magdalena Walluf am 26. Juli 1855

  4. Eva Maria Walluf am 21. Juni 1858

  5. Franz Wilhelm am 16. März 1862

  6. Thecla Walluf am 21. März 1860

  7. Carl Walluf am 18. Oktober 1863

  8. Johannes Walluf am 5. Dezember 1865

  9. Jacob Sebastian am 28. Juli 1867

  10. Conrad Walluf am 9. März 1870

In Frankfurt am Main lassen Karl Vollrath Walluf (sicher der Frankfurter Gärtnerfamilie Walluf angehörend), geb. vor 1851 und seine Frau Maria Margaretha Doerr, geb. vor 1855 am 21. April 1877 die Tochter Elsa Walluf taufen.

Nach einem anderen Eintrag in der Datenbank der Mormornen heiratet eine Tochter von Karl Vollrath und Maria Margaretha Walluf, die am 21.4.1877 geborene "Otto" den am 7. November 1873 in Schwebheim/Unterfranken geborenen Wolfgang Hans Baron von Bibra. Das sich bei dem Vornamen der Braut "Otto" ein Schreibfehler eingeschlichen hat, dürfte ersichtlich sein. Ich vermute, da bei Elsa und "Otto" das Taufdatum übereinstimmt, daß es sich bei der Frau des Wolfgang von Bibra um Elsa Walluf handelt. Sie starb am 22. Februar 1913 in Schwebheim/Unterfranken.

Bei der Auswertung von Telefonbucheinträgen fand ich in über 100 Städten und Dörfern (Stand August 1990), quer über das Bundesgebiet und West-Berlin verteilt, nur sehr wenige Eintragungen mit dem Namen Walluf.

In Frankfurt gibt es drei Familien Walluf und eine Familie Walluff. Wie der Zufall so will, beginnt die Telefonnummer von H. P. Walluf mit "6229", der alten Postleitzahl der Gemeinde Walluf. In Mannheim finden sich zwei Familien Walluf. Ob die in Frankfurt erwähnten Walluf - Familien von der bereits 1553 dort vorkommenden Gärtnerfamilie gleichen Namens abstammt, müßte erst noch erforscht werden, bei der Seltenheit des Namens ist dies aber wahrscheinlich.

Nach meinem derzeitigen Forschungsstand sind die Familienvorkommen Walluf auf das Rhein - Main - Gebiet beschränkt. Ich bin aber weiterhin an jedem Vorkommen dieses Familiennamens interessiert und für jeden Hinweis dankbar.

Nachtrag 01.01.2007:

Der erste, der wahrscheinlich den Ortsnamen Walluf als Familiennamen trug, war jener "Hans von Nidern wallauf" der mit Elisabeth Rücker aus Frankfurt verheiratet war.
Elisabeth, getauft am 11.11.1533 in Frankfurt war die Tochter des Gärtners Conrad Rücker zu Frankfurt. Die Frankfurter Familie Walluf übte ja dann auch über mehrere Generationen das Gärtnerhandwerk aus.
"Hans von Nidern wallauf" heiratete am 26.6.1553 die obengenannte Elisabeth Rücker, diese wird seit 25.6.1565 als Witwe des Hans von Walluf bezeichnet. Sie selbst wird am 31.3.1602 in Frankfurt begraben, getauft wurde sie am 11.11.1533. Der Hecker und Gärtner Hans wird am 9.6.1565 in Frankfurt begraben und ist seit dem 23.3.1528 Frankfurter Bürger, in 1. Ehe war er seit 1528 mit Gertrud verheiratet, welche 1552 verstarb.

Quelle: S. 278, Deutsches Geschlechterbuch, Verlag C. A. Starke, Limburg 1867, 17. Band des Hessischen Geschlechterbuches, Ahnenreihe Knodt

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