GESCHICHTE DES HAUSES RHEINSTRASSE 6 ZU NIEDERWALLUF

© Norbert Michel 2007


Über die Geschichte des Hauses Rheinstrasse 6 zu Niederwalluf in der Zeit vor 1745 lassen sich bisher nur Vermutungen anstellen. Wenn ich eine Niederwallufer Güterbeschreibung aus dem Jahre 1660 richtig deute, dann befand sich an dieser Stelle das sogenannte "Gemeine Haus", also das Rathaus der Gemeinde. Ableiten lässt sich dies aus der Beschreibung des Gasthauses "Zum goldenen Engel". Der Engel ist identisch mit dem heutigen Gasthaus "Zum weißen Schwan". Dieses Gasthaus wird 1660 bereits genannt und befand sich zu der Zeit im Besitz des Johann Hammes. Als Nachbarn wurden Schultheiß Matthias Krancher und Anton Kirn genannt. Der Besitz des Anton Kirn ist auch zuzuordnen, es handelte sich um das Grundstück Rheinstrasse 5, das darauf stehende Haus wurde um 1967 abgebrochen. Ältere Wallufer können das Gebäude unter dem Begriff "Chamot-Haus" oder "Millionen Mayer" identifizieren.

Anton Kirn, später Oberschultheiß zu Niederwalluf, besaß hier einen "Hausplatz, zur Crohnen genannt, darauf eine Scheuer mit Kelterhaus steht". Seine Nachbarn waren der schon genannte Johann Hammes und eben "dass gemein Haus".

Wenn mit "gemeine Haus" wirklich das Rathaus gemeint ist, kann es nicht mehr sehr lange diese Funktion erfüllt haben. Denn bereits 1705 wurde das sogenannte "Alte Rathaus" das sich in der Kirchgasse 2 befand verkauft. Ab da befand sich dann das Rathaus bis zum Umzug in die Mühlstrasse am La-Londe-Platz.

Am 19. Oktober 1745 jedenfalls war Johann Adam Beringer Besitzer des dann sogenannten Gasthauses "Zum schwarzen Adler", des heutigen Anwesen Rheinstrasse 6. Das geht hervor aus einer 1752 erfolgten "Renovirung" (Erneuerung) der "Schildgerechtigkeit" (Lizenz zur Führung eines Gasthauses), die im Heimatarchiv Walluf unter der Nummer 76/1750 abgelegt ist.

Johann Adam Beringer war der Sohn des Winkeler Zimmermannes Nicolaus Beringer und dessen Frau Anna Maria. Der Vater erwarb bereits 1711 in Niederwalluf die sogenannte mittlere Walkmühle und wandelte die Lohmühle in eine Mahlmühle um. Diese Mühle blieb bis um 1818 im Besitz der Familie und wurde erst von seinem Enkel Caspar Joseph Beringer an Wendelin Bug verkauft, dessen Nachfahren noch heute im Besitz der Mühle sind.

Der bereits genannte Gastwirt und Müller Johann Adam Beringer heiratete 1735 in Niederwalluf Anna Maria Wagner, eine Tochter des Niederwallufer Unterschultheißen und Leyischen Gerichtsfreundes Johann Jacob Wagner. Johann Adam Beringer war auch Gerichtsschöffe und Gerichtsschreiber zu Niederwalluf. 1768 erwarb er die die Mühle des Georg Ruffner, die bis jetzt leider nicht identifiziert werden konnte. Die Familie Ruffner stammte ursprünglich wohl aus Groß-Winternheim, Familienangehörige sind auch als Müller in Ingelheim (Müller des Herrn v. Haxthausen, Eulenmühle und Neumühle) bezeugt.

Das Beringer auch in größerem Umfang Weinbau betrieb, geht aus der Tatsache hervor, dass er 1742 der hiesigen Kirche wegen eines Kredites in Höhe von 200 Gulden 3 Weinberge in der Niederwallufer Gemarkung als Sicherheit verschrieb.

1752 verschrieb das Ehepaar Beringer für einen Kredit in Höhe von 200 Gulden, aufgenommen bei der Hofbruderschaft in Mainz, ihr Wohn- und Gasthaus "Zum schwarzen Adler", samt allem Zubehör, gelegen zwischen Herrn Melchior Kirn und der Geisgasse.

Sechs Kinder wurden zwischen 1736 und 1747 in Niederwalluf getauft. Der 1738 geborene Sohn Johann Caspar Joseph Beringer setzte das Müllerhandwerk fort. Aus einem 1773 erstellten Flur- und Lagerbuch der Gemeinde Niederwalluf geht hervor, dass Johann Adam zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war und das Anwesen unter der Nummer 124, bestehend aus einer Behausung samt Garten (2 ½ Ruten) und der Schildgerechtigkeit "Zum Adler" im Besitz der Witwe war.

Die 1745 geborene Tochter heiratete 1765 den aus einer angesehenen Hattenheimer Familie stammenden Anton Schumann. Einem Niederwallufer Brandkataster aus dem Jahre 1780 ist zu entnehmen, dass zu dieser Zeit Anton Schumann als Eigentümer eines zweistöckigen Hauses, "Zum schwarzen Adler" war. Das Haus war mit 1000 Gulden, eine dazugehörige Stallung mit 50 Gulden versichert.

Obwohl das Ehepaar Schumann zwischen 1764 und 1775 7 Kinder taufen lies, wovon mindestens die Tochter Anna Maria (verheiratet in 1. Ehe mit Michael Krumb, in 2. Ehe mit Matthias Quetscher) und deren Schwester Maria Josepha (mit dem aus Astheim stammenden Georg Boller verheiratet) das Erwachsenenalter erreichten, wechselte die Immobilie vor 1809 den Eigentümer. In einer Steuerliste aus diesem Jahr wird Christoph Limb als neuer Besitzer genannt.

Christoph Wendelin Limb, von Beruf Bäckermeister, führte als Gastwirt den Betrieb weiter. Limb wurde 1744 in Niederwalluf geboren und war seit 1778 mit der aus Budenheim stammenden Maria Josepha Berg verheiratet. Die zwischen 1779 und 1796 geborenen 7 Kinder sind die letzte, in Niederwalluf geborene Generation, dieser ursprünglich aus Biebrich-Mosbach stammenden Bäckerfamilie. Ein Mitglied dieser Familie war wahrscheinlich der Stifter des in der Niederwallufer Feldgemarkung befindlichen Wegekreuzes, das noch heute unter dem Namen "Limbe-Kreuz" bekannt ist.

Das Haus Rheinstrasse 6 ist ein Eckhaus. Der Hauseingang befindet sich in der Rheinstrasse, die Toreinfahrt in der Brückenstrasse.

Über der Toreinfahrt befindet sich eine Inschrift "Anno 1703", wahrscheinlich das Jahr, in welchem der Torbogen errichtet wurde. Die Initialen "CL" stehen für Christoph Limb und wurden erst im Rahmen einer Renovierungsmaßnahme um 1809 hinzugefügt.

1835 kam das Anwesen durch Erbschaft und Erbverteilung in den Besitz des Anton Kron und dessen Ehefrau Luise geb. Müller. Welche verwandtschaftlichen Verhältnisse zum Erbe führten ist leider nicht bekannt. Unter den Eltern, Großeltern und Urgroßeltern sind die Namen Beringer, Wagner, Limb und Berg nicht enthalten. Das Anwesen wird zu dieser Zeit unter der Nummer 120 im Brandkataster genannt und bestand aus einem zweistöckigen Wohnhaus, einem Kelterhaus, einem Stall und Hofraum. Es lag in der Rheinstraße neben Franz Chamot (Art. 76, Stockbuch 1, Seite 208).

Anton Kron war Weinbauer und Gastwirt zu Niederwalluf. Neben dem Amt des Gemeindevorstehers zu Niederwalluf wird er als Schultheisereiverwalter (1820 - 1823) und Feldgerichtsschöffe in den Archivalien genannt. Geboren wurde er am 29.10.1783 zu Niederwalluf. Seine Eltern waren der Schiffsmann Johann Adam Kron und dessen Frau Anna Maria geb. Scharhag aus Oberwalluf. Verheiratet war er in erster Ehe mit Christina Hahsemer aus Heidesheim. Die Familie Kron stammte ursprünglich aus Kiedrich und ist die einzige der bis jetzt genannten Familien, die heute noch in Niederwalluf vertreten ist.

Die 1795 in Niederwalluf geborene Ehefrau hieß mit vollem Namen Ludovica Philippina Luise Dorothea und war die Tochter des 1753 ebenfalls in Niederwalluf geborenen Andreas Leonard Müller, der zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn als Zöllner im Niederwallufer "Kurfürstlichen Zollhaus" (heute Kirchgasse 1) die Reisenden zur Kasse bat. Bereits sein Vater Peter Müller übte das Amt des Zöllners aus. Andreas Leonard war darüber hinaus von etwa 1791 bis um 1811 Oberschultheiß zu Niederwalluf. Catharina Antonia, eine andere, seiner insgesamt neun Töchter war die Stifterin des Niederwallufer Schwesternhauses.

1838 und 1842 wird das Anwesen in den Brandkatastern aufgeführt und ist zu dieser Zeit mit 4750 Gulden versichert. Eigentümer war immer noch Anton Kron. Die Immobilie bestand aus 4 Gebäuden, einem Wohnhaus, einem Kelterhaus, einem Stall und einer halben Scheuer.

1854 werden als Eigentümer des Anwesens die Kinder des Ehepaares Kron / Müller, nämlich Anton, Heinrich, Karl, Elisabeth und Anna Maria Kron genannt. Als weitere Eigentümer erscheinen Anton Müller zu Niederwalluf und Georg Müller zu Frankfurt am Main. Georg Müller war mit einer weiteren Tochter, der 1825 geborenen Ludovica Dorothea Kron verheiratet. Anton Müller lässt sich bisher nicht einordnen.

Diese Erbengemeinschaft veräußert das Anwesen 1855 an Martin Keppel und Ehefrau Katharina Elisabeth geborene Heim. Der 1820 geborene Müller und Backsteinbrenner Martin Keppel entstammt einem Geschlecht, das zurück geht auf den Schiffer Johannes Keppel, der aus dem heute holländischen Gelderland stammend, sich um 1664 in Niederwalluf nieder ließ.

Katharina Elisabeth war die Tochter des Schiffbauers Damian Heim, der durch Heirat mit Margaretha Müller zum Gastwirt des Gasthauses "Zum Schwan" wurde. Der Schwan war in diesen Jahren nicht identisch mit dem heutigen Hotel Schwan. Der alte Schwan befand sich damals im Hause Rheinstrasse 2, dessen heutige Besitzer, die Familie Lengsfeld, mit der Familie Heim verwandt ist. Keppel befand sich um 1859 noch im Besitz des Hauses Rheinstrasse 6. Aber bereits 1863 ging das Anwesen durch Kauf in das Eigentum des Dr. Anton Müller aus Wiesbaden und dessen Frau Lisette geborene Kling über. Der 1798 in Eltville geborene Müller stand in keinem nachweisbaren verwandtschaftlichen Verhältnis zu der oben genannten Niederwallufer Familie Müller. Sein Vater stammte aus Kulsheim in Baden, er war verheiratet mit der Eltvillerin Christina Petscher, einer Tochter des Eltviller Schulmeisters Johann Jacob Petscher, dessen Vater als Neubürger, aus Österreich stammend, 1725 in Eltville aufgenommen wurde. Der Obermedizinalrat Müller studierte in Heidelberg, Um 1820 hatte er eine Arztpraxis in Schlangenbad, dann in Höchst am Main. 1822 in Braubach; als Medizinalrat ab 1827 in Nastätten und ab 1836 in Höchst, von wo er im Sommer auch in Bad Soden tätig war. Ab etwa 1841 war er Medizinalrat in Wiesbaden, ab 1856 Obermedizinalrat. Zwischen 1863 - 67 war er dort als Bade- u. Kinderarzt tätig. Er erwarb sich besondere Verdienste um die Entwicklung Wiesbadens zur Badestadt. Er schrieb das Buch "Medizinische Topographie der Stadt Wiesbaden nebst einem Beitrag zur Kenntnis der Heilwirkungen der Thermalquellen" (1846). Weiter auch kleinere Beiträge über den Kochbrunnen in Wiesbaden, sowie zur Badepraxis und Gesundheitspflege (Quelle: Nassauische Biographie von Otto Renkhoff, 2. Aufl. Wiesbaden 1992). In Wiesbaden besaß Dr. Anton Müller das Haus Rheinstrasse Nummer 133.

Laut dem Niederwallufer Stockbuch 4 kaufte im Juni 1869 "die Ehefrau Seiner Durchlaucht des Prinzen Emil zu Sayn-Wittgenstein Berleburg, Frau Baronin Camilla von Kleydorff, geborene Stephanska" das unter der Nummer 110 im Brandkataster beschriebene, in der Rheinstrasse gelegene zweistöckige Wohnhaus mit Kelterhaus, Stall und Hofraum. Der Versicherungswert des Anwesens wurde noch immer mit 4750 Gulden angegeben.

Prinz Emil zu Sayn-Wittgenstein war Generaladjutant des russischen Zaren Alexander II. Er kam 1824 in Darmstadt zur Welt, seine Eltern waren August Ludwig von Sayn-Wittgenstein und dessen Frau Fanny von Allesina-Schweitzer. Fanny war eine Tochter des Karl Franz Allesina von Schweitzer, einem kaiserlich russischen Major, dessen Schwester Wilhelmina Maria 1782 den Frankfurter Bürger und Handelsmann Franz Georg Chamot heiratete. Deren gemeinsamer Sohn, Franz Maria Chamot, Kaufmann zu St. Petersburg, erwarb 1835 das unmittelbar neben dem Anwesen Rheinstrasse 6 gelegene, ursprünglich der Niederwallufer Schultheißenfamilie Kirn gehörende Anwesen in der Rheinstrasse 5.

Prinz Emil von Sayn-Wittgenstein war seit 1856 mit Prinzessin Pulcheria Kantakuzene verheiratet. In zweiter, morganatischer Ehe (mit diesem Begriff, der "Ehe zur linken Hand" bezeichnet man im europäischen Adel eine Ehe, bei welcher einer der Ehepartner, meistens die Frau, von niedrigerem Stand war. Diese Ehen waren nicht standesgemäß.), heirate er die aus Warschau stammende Tänzerin Camilla Stefanska. Diese wurde vom Großherzog zu Hessen-Darmstadt zur Freifrau von Kleydorff (Kleyberg) ernannt. Die Grabmäler des Prinzen Emil, gestorben 1878 und seiner Frau Camilla, gestorben 1902, befinden sich neben einigen anderen der Familie von Kleydorff noch heute auf dem Friedhof Wehrda (Haunetal).

Der am 31. Mai 1874 in Niederwalluf geborene Sohn Marian Eberhard Franz Emil von Kleydorff wurde unter dem Künstlernamen Franz Egenieff ein bekannter Opernsänger (Bariton). Die Abbildung erschien 1910 in Heft 13 der Zeitschrift "Das Theater". Seine Ausbildung erfolgte bei Alfredo Cairati (* 18. August 1875 in Mailand, † 2. Februar 1960 in Zürich, italienischer Musiklehrer und Komponist), Lilli Lehmann (* 24. November 1848 in Würzburg, † 17. Mai 1929 in Berlin, deutsche Opernsängerin (Sopran) und Gesangspädagogin), Victor Maurel (* 17. Juni 1848 in Marseille, † 22. Oktober 1923 in New York City, französischer Bariton, in seinem späteren Leben wirkte er als Gesangslehrer in New York). Die Bühnenlaufbahn begann Egenieff 1904/05 bei der Savage Opera Company in Nordamerika. Um 1907 sang er in Berlin bei der komischen Oper und der Hofoper. Ab 1911 gab er Gastspiele und Konzerte von seinem Schloß Oberwerda (bei Gelnhausen) aus. 1923 spielte er in der ersten Verfilmung von Thomas Manns "Die Buddenbrocks" unter der Regie von Gerhard Lamprecht den Reeder Arnoldsen. Auch in den Stummfilmen " Das Skelett des Herrn Markutius" (1920), "Die Tarantel" (1920), "Die Rache einer Frau" (1921), "Der falsche Dimitri"" (1922), "Colibri" (1924) und "Vater werden ist nicht schwer" (1926) wirkte er mit (Quelle:http://www.ofdb.de). 1927 sang er im "Parsival" in Bayreuth. 1929-31 war er mit der German Opera Company in Nordamerika. Franz Egenieff lebte zuletzt in Gmund am Tegernsee, wo er am 11. Juni 1949 starb.

1876 erwarb Camilla von Kleydorff ein Gartengrundstück, gelegen "südlich des Hauses, andererseits der Rheinstrasse", die Grundstücksgröße beträgt 3 Ar 27 m2 , der Verkäufer des Grundstückes ist unbekannt.

1869 kam durch Kauf das angrenzendebefindliche Haus Brückenstrasse 7, welches sich im Besitz des Landmannes Johann Führer befand, ebenfalls in die Hände der Camilla von Kleydorff. Die Vereinigung der beiden aneinander grenzenden Grundstücke währte allerdings nur etwa 10 Jahre, 1879 befand sich das Anwesen Brückenstrasse 7 dann im Besitz des Ehepaares Jacob Michel und dessen Ehefrau Anna geborene Hild.

Das frühere Gasthaus "Zum schwarzen Adler" ging durch Kauf im August 1878 in das Eigentum des Thilo von Trotha, wohnhaft in Hofgeismar und dessen Frau Margaretha geborene Fischer über. Von Trotha, königlich Sächsischer Hauptmann, kam 1851 in Rybienitz zur Welt und verstarb 1905 in Berlin. Von Trotha war auch schriftstellerisch tätig. Die Trauung des Thilo Friedrich Wilhelm von Trotha, wie er mit vollem Namen hieß, mit Margaretha Agnes Fischer erfolgte am 28. Juni 1877 in Iserbies, Sachsen. 1878 wird das Anwesen beschrieben als "ein zweistöckiges Wohnhaus, ein zweistöckiger Flügelbau, eine Holzremise, Hofraum, gelegen in der Rheinstraße zwischen Franz Chamot und dem freien Platz am Rhein".

Im April 1880 erfolgte der Verkauf an Anton Berges zu Schierstein und dessen Frau Christina geb. Mentz. Der Schiersteiner Bürger und Weinhändler Berges und seine Frau stifteten der 1891 gegründeten katholischen Pfarrgemeinde Schierstein einen hohen Geldbetrag, der für den Bau der Kirche, den Bau eines Schwesternhauses in der Alfred Schumann-Strasse und für den Lebensunterhalt des Schiersteiner Pfarrers genutzt wurde. Im Schwesternhaus ist heute die Lebenshilfe untergebracht. Auch der damalige Niederwallufer Pfarrer Nagel wurde mit einer größeren Summe bedacht, die für Renovierungsarbeiten in der Niederwallufer Kirche genutzt wurden. Nach Anton Berges ist in Schierstein eine Straße benannt.

Bereits im Mai 1880 erfolgt der Verkauf des Hauses an Louis Falk aus Mainz und dessen Ehefrau Elisabetha geb. Fink. Über das Ehepaar liegen keine weiteren Informationen vor.

In schneller Folge wechselten nun die Eigentümer. Im November 1885 wurde das Anwesen von Joseph Michels und Frau Maria geb. Eickemeyer gekauft. Im April 1888 erfolgt der Verkauf an die Handelsgesellschaft Hofmann & Co. zu Niederwalluf. 1890 nennt das Brandkataster Philipp Hofmann als Eigentümer, der wohl hinter der bereits genannten Handelsgesellschaft stand. Philipp Hofmann wurde 1815 in Kiedrich geboren. Seine Bildung fürs Schulfach genas er im Seminar zu Idstein, welches er vom 1. Juni 1838 bis 1841 besuchte. Vom 1. Juli desselben Jahres bis zum 1. Mai 1842 war er als Kandidat am Taubstummeninstitut zu Camberg beschäftigt. Mit dem 1. Juli 1843 wurde er als Lehrgehilfe zu Wiesbaden angestellt. Dort währte seine Wirksamkeit bis zum 1. Januar 1843, also ein halbes Jahr, bevor er nach Niederwalluf versetzt wurde.

Am 16. Februar 1858 wurde Hofmann zum Niederwallufer Bürgermeister gewählt und verließ den Schuldienst. Bereits seit 1846 war er mit Margaretha Heim geb. Müller verheiratet (siehe oben). Die Witwe des Damian Heim brachte das Gasthaus "Zum Schwan" mit in die Ehe. Hofmann verstarb im Oktober 1890.

Im gleichen Jahr ging das Anwesen in den Besitz des Alexander Meier, wohnhaft in Wiesbaden, Luisenstrasse 14, über. Näheres ist zu seiner Person nicht bekannt. 1918 werden im Anhang zum Brandkataster die Erben des Alexander Meier genannt, 1920 erscheint Philipp Meier, wohl ein Sohn des Alexander als Besitzer, dieser hatte seinen Hauptwohnsitz ebenfalls in der Wiesbadener Luisenstrasse Nummer 14.

1922 erscheinen als Hausbesitzer Karl und Philipp Müller. Die beiden Brüder standen in einem bisher noch ungeklärten verwandtschaftlichen Verhältnis zu der oben genannten Margaretha Müller, die in erster Ehe mit Damian Heim, in zweiter Ehe mit dem Niederwallufer Bürgermeister Philipp Hofmann verheiratet war.

Um 1933 kam das Anwesen durch Kauf in den Besitz der Brüder Josef und Friedrich Becker. Deren beider Vater, Johann Baptist Becker, war Eigentümer der Gastwirtschaft "Zur Eintracht" in der Brückenstrasse. Im Zuge der Erbauseinandersetzung fiel das Haus an Josef Becker, der 1895 in Niederwalluf geboren und hier auch 1973 verstarb.

Der Weingutsbesitzer und Weinkommissionär machte nach dem Besuch der Gewerbeschule 1909-12 in Wiesbaden eine Lehre zum Holz- und Fassküfer. Von 1924-37 war er Geschäftsführer der Genossenschaftlichen Vertriebs eGmbH, Frankfurt, mit der Geschäftsstelle Niederwalluf, zugleich Leiter der Weinvermittlungsstelle Niederwalluf der Deutschen Winzergenossenschaft eGmbH Frankfurt. Seit 1924 auch Taxkommissionär des Verbandes Deutscher Naturweinversteigerer. Ab 1938 selbständiger Kommissionär. 1941-44 Importbeauftragter für die Schaumweinindustrie für Frankreich. Nach dem Krieg Mitarbeit in mehreren Gremien der Weinwirtschaft: Mitglied der Landw. Kammer Wiesbaden, Mitglied der Weinsiegelkommission, Mitglied der Rheingauer Weinwerbung sowie Mitglied im Bewertungsbeirat des Bundesfinanzministeriums. Becker hat es verstanden, durch vorbildlichen eigenen Weinbau und eine umfassende kellerwirtschaftliche Beratung das Ansehen des Rheingaus und seiner Weine zu mehren. Als Kommissionär war sein Rat von den Winzern wie auch von den Kunden geschätzt. Seine guten Verbindungen zu den großen Gütern des Rheingaus, ebenso zu den angesehenen Weinhändlern in Übersee, wie Frank Schoonmaker, trugen zur Nachfrage bester Rheingauer Weine bei.

Aus der seit 1944 bestehenden Ehe mit Mathilde Grün aus Rüdesheim stammen die beiden Kinder Maria und Hans-Josef Becker, die seit 1983 bis heute Eigentümer des Anwesens Rheinstrasse 6 sind.


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