Diese Informationen wurden mir freundlicherweise von Herrn Jürgen Eisenbach, Stadtarchivar in Oestrich-Winkel zur Verfügung gestellt.

Die interessanten Seiten des Stadtarchives Oestrich-Winkel, mit vielen ortsgeschichtlichen Artikeln sind immer einen Besuch wert.

Mittelheimer Chronik Folio 103: 1841 am 3. August morgens 2 Uhr ging bei Wendlin Wenz in seinem Haus auf dem Rathausplatz neben dem Backhausweg und Nicolaus Itzstein Feuer aus, und das Haus stand bereits in Flammen als Wenz, seine Frau und fünf Kinder geweckt und entfliehen konnten. Über die Entstehung des Feuers konnte nichts ermittelt werden, indem nach Aussage des Wenz, seiner Frau und Schwägerin Marianne Hammer sie kein weiteres Feuer angehabt als bloß im Kroppenherd ihre Kartoffeln zum Nachtessen gekocht zu haben und ohne Licht anzuzünden schlafen gegangen seien. Das Haus war assekuriert zu 790 Gulden, wofür es wieder besser als es war erbaut wird. Wenz erhielt 760 Gulden und erbaute ein zweistöckiges Wohnhaus, welches ihm teuer zu stehen kam und es als bald für 900 Gulden Johan Baptist Strohschnitter (der am 26. Mai 1855 nach Australien auswanderte) verkauft und in der Nacht vom 4. auf den 5. August 1844 mit Frau und 5 Kindern sich heimlich nach Amerika begeben hat, wo er ein besseres Fortkommen hofft, was ihm dort, wann er als Maurer nicht fleißiger selbst arbeitet wie hier, wohl schwerlich gelingen wird.

Folio 107: Am 1. Juni 1842 ist Johann Zobus von hier mit seiner Frau und zwei Kinder von 3 und 7 Jahren alt nach Nordamerika abgereist, um dort sein Glück zu suchen, was er hier nicht finden konnte, indem er kein Liebhaber der Arbeit wohl aber der Jagd, die er dort besser als hier auszuüben gedenkt, ergeben war.
Philipp Sicolt, ein Maurer von Profession, dem obigen sein Schwager, ist am 11. Juni 1842 ebenfalls mit Frau und 4 Kindern dahin abgereist. Mit dem Dampfschiffen der Düsseldorfer Gesellschaft fuhren sie bis Rotterdam, von da wurden sie nach Havre de Grace expediert und von da mit einem Segelschiff bis nach New York um den Preis von 62 Gulden pro Kopf von Erwachsenen und von Kindern über zehn Jahre 42 Gulden, von kleineren Kindern 30 Gulden auf ihre eigene Verköstigung übergeschifft.


Akte betreffs Auswanderung:

An die Herrn Schultheißen zu Mittelheim

Das Gesuch des Valentin Weber zu Mittelheim um Entlassung aus dem Untertanenverband zur Auswanderung nach Algier
Zu diesem Gesuche ist von ihnen der Bericht hierher in der vorgeschriebenen gedruckten Form zu erstatten und von den Vorstehern mit unterschreiben zu lassen. Wenn der Bittsteller und seine Mutter arm sind, so kann der Bericht auf Freipapier geschrieben werden. Die Mutter des Bittstellers ist um ihre Einwilligung zu befragen.
Eltville den 5. Februar 1844


An
die Herzoglichen Schultheißen zu Mittelheim

Das Gesuch des Valentin Weber von da, um Entlassung aus dem diesseitigen Untertanenverband zum Überzuge nach Algier betreffend.

Sie erhalten das Gesuch des Bittstellers mit dem Auftrage zurück, denselben in Gemäßheit des Ausschreibens vom 15ten l. Mts., die Gesuche der H. Untertanen um Auswanderungserlaubnis nach Algier betreffend,
welches ihnen alsbald zugehen wird, zu bedeuten, und ihm noch besonders bemerken, daß nach einem Rescripte der Herzoglichen Landes Regierung solchen Gesuchen, da die Hindernisse, die ihnen im Wege stehen, noch nicht gehoben sind, vorläufig noch keine Folge gegeben werde können.
Eltville den 26. Februar 1844

An
d. H. Schultheißen
Die Gesuche Herzoglicher Untertanen um Auswanderungs-Erlaubnis nach Algier betreffend.

Es sind in neuerer Zeit, nach dem sich in einer Großherzoglich Hessischen Gemeinde jenseits des
Rheins ein Agent aufhält, der sich mit Annahme von Kolonisten für den Anbau von Ländereien in Algier beschäftigt, mehrere Gesuche hiesiger Amtseinwohner um Auswanderungs-Erlaubnis nach Algier eingekommen. Nach den Nachrichten, welche die herzogliche Landes-Regierung von der Großherzoglichen
Hessischen Behörde eingezogen hat besteht von Seite des Kaiserlich französischen Kriegs-Ministeriums die Verordnung, daß diejenigen, welche als Kolonisten nach Algier aufgenommen zu werden wünschen, sich über
ihre Moralität, ihre Gewerbe, insbesondere die ihnen zu Gebot stehenden Geldmittel aus zu weisen haben
und es ist dabei dem Baron v. Maagden die Anwerbung hessischer Untertanen zur Auswanderung nach
Algier untersagt worden, da die Kaiserlich französische Regierung ausdrücklich gegen den Abgang der
von demselben vor Beibringung der erforderlichen Nachweise, angeworbenen 50 Familien protestiert hat,
sie daher die beabsichtigte Reise nach Algier vor der Hand nicht unternehmen können. Hiernach wird die Herzogliche Landes-Regierung keinem, er sei Inländer oder Ausländer, die Anwerbung herzoglicher Untertanen
zur Auswanderung nach Algier gestatten, und erhalten sie den Auftrag, sobald sich ein Werber in einer der hiesigen Amtsgemeinden einfindet, sofort hier die Anzeige zu machen. Den Gesuchen diesseitiger Untertanen, um Erlaubnis zur Auswanderung nach Algier, wird vor der Hand und solange keine Folge mehr zu geben, als
nicht ihre Annahme unter die Zahl der Kolonisten von dem französischen Kriegs-Ministerium erkannt ist.
Sie werden solches den Anmeldenden eröffnen, mit dem Beifügen, daß sich ein jeder bis zur erfolgten Entschließung des kaiserlich französischen Kriegs-Ministeriums der Entäußerung seines Grund- und Mobiliar-Vermögens zu enthalten habe, übrigens Gesuche mit den erforderlichen Nachweisen versehen auf diplomatischen Wege dem kaiserlich französischem Kriegs-Ministerium eingesendet werden sollen.
Eltville 26. Februar 1844

Artikel aus dem Rheingauer Anzeiger vom 14. Januar 1852

Zeugnis
Eben im Begriffe mit dem schönen eisernen Schiffe "Flying Dutchman", Capitän Cooper, von hier nach Venezuela in Südamerika anzureisen, halten wir uns verpflichtet, dem Herrn F. W. Geilhausen in Coblenz, mit dem wir die Überfahrtsverträge abgeschlossen haben, für die uns gewordene gute Führung unsern besten Dank abzustatten. - Gerne bescheinigen wir, daß Niemand unter seinen 89 Passagieren, die er von Coblenz bis hierher persönlich begleitete, eine Klage vorzubringen hat, vielmehr sind wir alle auf das Beste zufrieden und ist es ein Act der Dankbarkeit, dessen Auswanderungsburreau allen deutschen Landsleuten auf das Angelegentlichste zu empfehlen. Die Verträge des Herrn Geilhausen sind auf das Pünktlichste erfüllt worden, der Proviant zur See ist reichlich vorhanden und so sehen wir mit Gottes Hülfe auch einer guten Überfahrt entgegen.
Hamburg, den 20 Dezember 1851
Martin Zobus mit 11 Personen aus Mittelheim im Rheingau. J. A. Hülpisch mit 5 Personen aus Höchstenbach. Peter Bullay mit Frau aus Lebach bei Trier. Paul Sebel, 8 Personen aus Welkenbach. Wilhelm Becker aus Eitorf. Ludwig Wenzelmann mit 5 Personen aus Kirburg. Phillip, 3 Gebrüder aus Welteroth, Herzogtum Nassau. Lichtenthaler aus Neunkhausen, Nassau. J. W. Anhäuser aus Ringsdorf bei Neuwied. J. Martin Lehnhausen mit 7 Personen aus Eischeid bei Neunkirchen. Peter Wasweiler mit 8 Personen aus Waldorf. Ph. Bug aus Rüdesheim. Chr. Weller mit 7 und D. Krämer mit 10 Personen aus Neunkhausen, Herzogtum Nassau. Franz Debus 2 Personen aus Nastätten. Karl Schwalbert, 7 Personen aus Rhens bei Koblenz. Valentin Wild aus Angeldorn. Peter Müller aus Hausen bei Eitorf. Peter Fröhlich aus Trippstadt in der bayrischen Pfalz. Balthasar Nelius, 2 Personen aus Niederlahnstein.
Daß vorstehendes Document in dem Protokoll des Generalconsulats von Venezuela allhier. Folio 21, richtig eingetragen worden, sowie, daß die respectiven Unterschriften die eigenhändigen sind, bescheinige ich hiermit mit beigedrucktem Consulatssiegel.
Hamburg, den 20 Dezember 1851
(L. S.) Gr. Schille, Vice-Consul

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