Verschwundene Kulturgüter in Niederwalluf

Vieles was noch vor einigen Jahren zum vertrauten Ortsbild von Niederwalluf gehörte, ist heute aus Gedankenlosigkeit und Profitgier unwiederbringlich verloren. Erwähnen will ich hier nur das "Chamot-Haus" in der Rheinstrasse oder die Dickscheidmühle in der Haselnußgasse.

Chamot-Haus, Rheinstrasse

Dickscheidmühle, Haselnußgasse

Aber nicht nur bedeutsame Immobilien sind noch nach dem Kriege der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Auch durch Diebstahl verschwanden Kulturgüter, die der Allgemeinheit gehören. Siehe hierzu die Abhandlung über die katholischen Kirchenbücher Niederwallufs.

Am Weg zum Nußberg steht seit 1811 ein Feldkreuz. Das so genannte Limbe-Kreuz wurde von der Familie Limb gestiftet. Die Familie war schon im 17. Jahrhundert in Niederwalluf ansässig. Die Familienangehörigen lebten überwiegend vom Bäckerhandwerk, einige waren Gastwirte, andere Schiffsleute.

Nachdem in der Feldgemarkung um das Limbe-Kreuz das Niederwallufer Industriegebiet errichtet wurde, stand dann durch den Bau des Autobahnzubringers das Kreuz im Abseits und war nur noch über Schleichwege zu erreichen.

Die Heimatarchivare machten der Gemeinde den Vorschlag, das Kreuz an eine, der Öffentlichkeit zugängliche Stelle, zu versetzen. Dieser Vorschlag wurde von der Mehrheit der Gemeindevertretung abgelehnt.

Um 1998 wurde das Kreuz renoviert und die sich inzwischen breit gemachte Wildnis entfernt. Kurz danach erreichte mich der Anruf eines Nachkommen der Familie Limb, der auf der Spur seiner Vorfahren von mir Informationen zur Familie wollte. Ich informierte ihn über das Kreuz, das er auch aufsuchen wollte. Nach einiger Zeit bekam ich dann die Anfrage, ob der wohl ja ursprünglich am Kreuz angebrachte Christus schon lange fehle. Nach meiner Erinnerung war die Figur aber vorhanden, was dann auch durch eigene Fotos belegt wurde. Nachdem ich mich dann selbst vergewisserte, musste ich feststellen, dass die Christusfigur tatsächlich in der Zeit zwischen 2000 und 2003 entwendet wurde.

Das Limbe-Kreuz vor dem Diebstahl der Christus-Figur

Nach langer Zeit folgte dann die Einsicht, dass der Standort des Kreuzes doch recht ungünstig liegt und die Gemeindevertretung fasste den Beschluss das Kreuz versetzen zu lassen. Am 26. April 2008 war es dann soweit, das Kreuz stand an seinem neuen Standort, der Zubringerstrasse zum Neubaugebiet "Im Sand". Der Wallufer Bürgermeister Manfred Kohl übergab mit folgenden Worten das Kreuz der Öffentlichkeit:

"Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
zu der kleinen Feierstunde aus Anlass der Einsegnung des Limbekreuzes begrüße ich Sie Alle sehr herzlich. Ich freue mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Mein besonderer Gruß gilt Herrn Pfarrer Feilen und Herrn Pfarrer Senft, die im Anschluss dieses Feldkreuz an seinem neuen Standort einsegnen werden. Ich begrüße die Spenderinnen und Spender, die durch ihre Spenden maßgeblich dazu beigetragen haben, dass dieses Feldkreuz restauriert, der gestohlene Christuskorpus ersetzt werden konnte und das Kreuz an seinem neuen Standort einen dauerhaften Platz gefunden hat. Insgesamt kam ein Spendenbetrag in Höhe von rund 2.700 € zusammen. Allen Spenderinnen und Spendern danke ich am heutigen Tage sehr herzlich für ihre Unterstützung. In den Dank schließe ich auch ausdrücklich Herrn lengsfeld, Grundstückseigentümer des neuen Standortes ein. Durch seine Bereitschaft, der Gemeinde die erforderliche Fläche zur Verfügung zu stellen, wurden wir erst in die Lage versetzt, das Limbekreuz der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Mein Gruß gilt der Landtagsabgeordneten Petra Müller-Klepper. Auch die Damen und Herren der Gemeindevertretung und des Gemeindevorstandes und unsere Heimatarchivare heiße ich herzlich willkommen.

Wir freuen uns, dass nach längeren Gesprächen mit der Denkmalpflege und den Heimatarchivaren ein neuer Standort für das Limbekreuz gefunden werden konnte. Wir freuen uns, dass die Restaurierung des Limbekreuzes erfolgreich abgeschlossen werden konnte und es an seinem neuen Standort wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich ist.

Bereits im Mittelalter hat man an Wegen und Wegekreuzungen Bildstöcke, kleine Kapellen oder Kruzifixe errichtet. Gerade im Rheingau ist dieser Brauch üblich gewesen. Bevorzugte Standorte waren die Wege, die aus dem Dorf zum Feld oder in die Weinberge und in die Nachbarorte führten. Das Limbekreuz ist eines der wenigen verbliebenen Kreuze.

Um 1800 gab es in Walluf einen Bäcker namens Christoph Limb. Er war der Stifter dieses Kreuzes. Dieses Feldkreuz wurde 1811, in einem Jahr in dem ein besonders guter Wein wuchs, am Weg zum Nußberg errichtet. Die Familie Limb war schon im 17. Jahrhundert in Niederwalluf ansässig gewesen. Die Familie hat überwiegend vom Bäckerhandwerk gelebt, einige Familienmitglieder waren Gastwirte, andere waren Schiffsleute.

Nachdem in der Feldgemarkung um das Limbekreuzes das Gewerbegebiet ausgewiesen worden war und der Autobahnzubringer im Zuge des Baues der Umgehungsstraße fertiggestellt war, hat das Kreuz über Jahre hinweg im Abseits gestanden und war nur noch über Schleichwege zu erreichen. Bereits Mitte der 80er Jahre gab es im Gemeindeparlament schon einen ersten Antrag, der sich mit dem Standort dieses Feldkreuzes befasste. Zunächst wurde versucht, eine bessere Zuwegung aus dem Gewerbegebiet zu diesem Kreuz herzustellen. Im Jahre 1986 wurde das Limbekreuz restauriert. Im Jahre 1990 schlugen die Heimatarchivare vor, das Kreuz an einen anderen Standort zu versetzen, nachdem Verhandlungen mit privaten Grundstückseigentümern nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt hatten.
Der damalige Standort wurde von den Heimatarchivaren als sinnlos und sogar für unwürdig erachtet. Deshalb wurden verschiedene Alternativstandorte vorgeschlagen.

Favorisiert wurde dabei als neuer Standort die Rotbuche im Pflänzerweg. Die Gemeindevertretung beschloss damals allerdings, den Standort nicht zu verändern und beauftragte den Gemeindevorstand den Zugang zum Limbekreuz vom Gewerbegebiet zu sichern. Die Heimatarchivare sprachen sich aber nach wie vor für einen neuen Standort aus. Die erneuten Bemühungen für eine Zuwegung am alten Standort waren wiederum nicht von Erfolg gekrönt. Das Limbekreuz blieb an seinem Standort und viele Bürgerinnern und Bürger wussten nichts von seiner Existenz. Im Jahre 2003 gab es dann einen erneuten Vorstoß für die Verlegung des Limbekreuzes. In die Überlegungen sollten die Heimatarchivare und die Denkmalpflege einbezogen werden. Nach längeren Gesprächen konnten sich die Beteiligten auf den jetzigen Standort verständigen und die Gemeindevertretung beschloss im September 2005 das Limbekreuz zu versetzen. Im Haushalt 2006 wurden 11.000 € bereitgestellt. Es folgten die Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer, die im Sommer des Jahres 2006 erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Für die erforderliche Restaurierung des Kreuzes wurde ein Spendenaufruf gestartet, der auf eine gute Resonanz stieß. Wie bereits erwähnt, kamen insgesamt rund 2.700 € an Spenden zusammen. Nachdem verschiedene Angebote von Fachfirmen eingeholt waren, beschloss der Gemeindevorstand im November des vergangenen Jahres eine Auftragsvergabe für eine fachgerechte Restaurierung. Diese umfasste auch die Ergänzung des Wegekreuzes mit einem passenden Christuskorpus. Dieser war vor einigen Jahren gestohlen worden.

Im Dezember wurde das Kreuz abgebaut und in den Wintermonaten restauriert, der neue Standort wurde hergerichtet und eine Bank wurde im Umfeld aufgebaut. Nachdem das Kreuz in der letzten Woche aufgestellt worden war, wurde auch eine Bepflanzung hergestellt. Am heutigen Tage danke ich allen Beteiligten für die gute und konstruktive Zusammenarbeit. Mein besonderer Dank gilt dem Steinmetzbetrieb Huth aus Eltville für die fachkundige Restaurierung des Limbekreuzes, den Mitarbeitern des Bauamtes und des Bauhofes, die bis gestern nachmittag noch mit den letzten Arbeiten beschäftigt waren. Mein Dank gilt natürlich den Spenderinnen und Spendern. Viele Privatpersonen sind unserem Spendenaufruf gefolgt und auch die Hessische Landesregierung hat dieses Projekt mit einem Zuschuss unterstützt. Dafür ein herzliches Dankeschön.

Ich bin mir sicher, dass es mit dem neuen Standort erfolgreich gelungen ist, dieses historische Feldkreuz, das Limbekreuz, wieder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen zu können. Mit dem neuen Standort für dieses Feldkreuz ist ein Platz gefunden worden, der der ursprünglichen Bedeutung des Limbekreuzes als Feldkreuz Rechnung trägt.

Ich bitte nun, die Herren Pfarrer Feilen und Senft das Limbekreuz an seinem neuen Standort einzusegnen. Im Anschluss laden wir Sie herzlich zu einem Gläschen Sekt ein, um gemeinsam auf das Limbekreuz anzustoßen."

Bürgermeister Manfred Kohl

Die Pfarrer Feilen und Senft

Während der Einweihungsfeierlichkeiten

Der Sockel des Kreuzes

Beitrag zu Erneuerungsmaßnahmen im alten Ortskern von Niederwalluf

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Letzte Aktualisierung 26.04.2008
© Norbert Michel