Das Heimatarchiv Walluf in der Presse


Am 22. August 2013 erschien im Rheingauecho mit der Nummer 34 der folgende Beitrag:


Rheingauecho - Donnerstag 3. November 2011
RheingauCenter Nachrichten
Spannende und informative Reise in die Vergangenheit
Bildvortrag von Norbert Michel "Niederwallufer Ansichten aus fünf Jahrhunderten" fand starkes Interesse

Heimatarchivar Norbert Michel präsentierte seinen Bildvortrag zum Thema "Niederwallufer Ansichten aus fünf Jahrhunderten".
Walluf. (mh) - Dieses starke Interesse am dem Bildvortrag von Norbert Michel "Niederwallufer Ansichten aus fünf Jahrhunderten" hätte ich mir im Traum nicht vorstellen können", zeigte sich Ilse Breßler, Vorsitzende des Wallufer SPD-Ortsvereins, überrascht über den enormen Ansturm des interessierten Publikums in das Niederwallufer Vereinshaus. Fast hätte man wegen Überfüllung schließen müssen. Um alle am Vortrag teilhaben zu lassen hieß es, " Tische raus und zusätzliche Stühle rein".
Heimatarchivar Norbert Michel wurde, wie er bei seiner Vorstellung sagte, 1952 in Walluf geboren. Obwohl er lediglich knapp die Hälfte seines Lebens hier verbracht habe, nehme dieser Ort den größten Teil seiner Freizeit in Anspruch. Zur Wallufer Ortsgeschichte sei er über seine Familiengeschichte gekommen. Einzelne Familien ließen sich schon um 1550 in Walluf nachweisen.
Nachdem es bis vor einigen Jahren kaum Veröffentlichungen zur Wallufer Geschichte gegeben habe, hätten sich die Quellen zur Ortsgeschichte nicht zuletzt durch das Internet vervielfacht. So sei man heute beispielsweise in der Lage, alle Hausbesitzer seit mindestens 1773 bestimmen zu können und man wisse auch, wer seit 1672 in Niederwalluf geboren wurde, geheiratet habe oder verstorben ist.
Obwohl Niederwalluf, erstmals in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 770 erwähnt, die urkundlich dokumentierte älteste Gemeinde des Rheingaus und laut einer Urkunde aus dem Jahr 779 auch die älteste urkundlich erwähnte Weinbaugemeinde des Rheingaus ist, übersprang Michel die ersten 800 Jahre und starte seinen Vortrag mit dem Jahr 1573, den er mit teils mehr, teils weniger bekannten Bildern anschaulich verdeutlichte.
Wenn alte Ortsansichten von Niederwalluf, im Gegensatz zu Nachbargemeinden wie Eltville, Biebrich oder Frauenstein, eher selten seien, dann liege das daran, dass dieser Ort nicht die Bedeutung eines Verwaltungssitzes wie Eltville aber auch keine Sehenswürdigkeiten wie Frauenstein mit einer Burg zu bieten hatte. Das wichtigste, das Niederwalluf anzubieten hatte, "waren Bilder von der Fähre oder von der Befestigungsanlagen des Gebücks", die Michel seinen Gästen im Verlaufe seines Vortrages präsentierte.
Um die politische und geographische Situation zu verdeutlichen, zeigte er zunächst einige Ausschnitte aus alten Landkarten, wie beispielsweise des niederländischen Kartographen Johann Jansonius, dessen bedeutendsten Werk der 1639 veröffentlichte Atlas "Theathre du Monde" ist. In einem Ausschnitt aus der Karte "Nassovia Principaus" von Johann Jacob Steller aus dem Jahr 1708 war erstmals auch der Verlauf des Rheingauer Gebücks gut zu erkennen.
Bei den ersten "wirklichen" Ortsansichten aus den Jahren 1573 und 1575 handelt es sich nach den Worten des Referenten "genau genommen" auch um Landkarten, die sich beide im Hessischen Hauptstaatsarchiv befinden. Deutlicher erkennbare Details, wie Gassen oder Gebäude, präsentierte Michel mit den Karten von Andreas Trautner von 1743 oder mit der sogenannten "Ostein'sche Karte", die kurz vor 1770 entstanden ist. Die Niederwallufer Gemarkung sei 1774 vom Geometer Christoph Hock, von 1770 bis 1810 Oberschultheiß zu Kiedrich, erstellt worden.
Im Verlaufe seiner weiteren spannenden und informativen Reise in die Vergangenheit präsentierte Michel eine gut sortierte Auswahl unter anderem von Bildern und Stichen, bei denen so mancher Künstler seiner Fantasie in vielen Details freien Lauf gelassen hatte. Anders der Maler und Kupferstecher Friedrich Wilhelm Delkeskamp, einer der Pioniere in der Erstellung von Reiseführern. 1825 sei sein erstes "Panorama des Rheins und seiner nächsten Umgebungen von Mainz bis Cöln" erschienen, aus dem Michel eine Niederwallufer Ansicht präsentierte.
Der Vortrag endete mit naiven Bildern von Erfried Grob, der dem Rüdesheimer Künstlerkreis angehört und für seine ländlichen Erzählbilder bekannt ist.
"Ich war zunächst etwas skeptisch und war dann völlig überrascht, über das große Interesse an der Wallufer Geschichte", sagte Bürgermeister Manfred Kohl begeistert über den Bildvortrag. Deshalb sei diese Veranstaltung aus seiner Sicht als "eine gelungene Sache" zu verbuchen.
"Ich habe im Verlaufe des Vortrages viele Dokumente und Bilder gesehen, die ich bereits kannte, die mir aber auch nicht bekannt waren", zeigte sich auch Annemarie Kersten zufrieden über die Veranstaltung, "die meinen geschichtlichen Horizont durchaus bereichert hat".


Dienstag, 01. November 2011
URL: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/rheingau/walluf/11313344.htm
Wiesbadener Kurier
Walluf
Für die Kunst war Walluf zunächst eher uninteressant

01.11.2011 - WALLUF

Von Christina Schultz

HISTORISCHE ANSICHTEN Erste Zeichnungen sind von 1760

Mit solch einem Ansturm hatte niemand gerechnet. Zum Vortrag von Herbert Michel, Archivar des Heimatarchivs, zum Thema „Walluf - Historische Ansichten aus fünf Jahrhunderten“ platzte der große Saal des Wallufer Vereinshauses aus allen Nähten. Nicht nur der Referent zeigte sich angesichts der Massen überrascht, auch Ilse Breßler, Vorsitzende des SPDOrtsvereins, freute sich als Veranstalter des Vortrages über die riesige Resonanz. Norbert Michel, 1952 in Niederwalluf geboren und seit vielen Jahren wieder in seinem Heimatort ansässig, ist als Archivar tief in der Geschichtsmaterie Niederwallufs verwurzelt und verbringt viel Zeit mit der Sichtung und Auswertung historischen Materials über die Rheingau-Gemeinde.

Anhand von vielfältigem Karten- und Bildmaterial mit historischen Darstellungen, zeigte Michel das Erscheinungsbild Wallufs und seiner Umgebung durch fünf Jahrhunderte auf. Er beschäftigte sich ausführlich mit Ausschnitten von Landkarten, Plänen und Ortsansichten, um danach in chronologischer Reihenfolge auf Bilder aus Skizzenbüchern und Gemälden von Malern aus dem 18.Jahrhundert bis in unsere Zeit einzugehen. Erstmals erwähnt in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 770, ist Niederwalluf die urkundlich älteste Gemeinde und gleichzeitig älteste Weinbaugemeinde des Rheingaus. Laut einer Urkunde von 779 vermachte ein gewisser Racher dem Kloster Lorsch neben einigen Morgen Land auch einen Wald und zwei Weinberge.

Schiffer statt Winzer

Bis zum Jahre 1575 scheint sich kein Künstler ernsthaft mit Walluf beschäftigt zu haben, denn es existieren keinerlei Bilder oder Gemälde aus dieser Zeit. Ab 1760 gibt es die ersten Zeichnungen. „Walluf besitzt halt keine Burg oder andere Sehenswürdigkeiten wie Eltville oder Frauenstein und hatte nicht die Bedeutung eines Verwaltungssitzes zu bieten“, schloss Norbert Michel daraus, der dafür mit Landkarten von Kartografen und Kupferstechern aus dem 16. und 17. Jahrhundert beeindruckte, auf denen die Fähre zwischen Walluf und Budenheim und die mächtige Befestigungsanlage des Gebücks zu sehen war. Dass der Haupterwerb der Niederwallufer nicht im Weinbau lag, sondern die Bewohner hauptsächlich als Schiffer, Fischer und Fährleute lebten, zeigten die Ausschnitte aus den Rheinlaufkarten der Gegend.

Der große Strom der Reisenden, die zu Wasser und zu Lande kamen, musste verköstigt werden, so gab es viele Gastwirte unter den Wallufern. Auch der Endpunkt der Leinenreiterei, die mit Seilen und Pferden gezogenen Schiffe, lag hier. Gemarkungspläne von Geometer Andreas Trautner von 1774, Ortsansichten und Bildersammlungen der Kunstmaler Caspar Zehender und Ludwig Daniel von der Heyd, sowie Radierungen aus dem Skizzenbuch von Jeremias Paul Schweyer, Maler der Romantik des 19.Jahrhunderts und seltene Bilder von Kaspar Kögler (1911) und Willi Holtmann (1945) vervollständigten die Exkursion durch die Vergangenheit Niederwallufs. Mit einem Bild des Wiesbadener Künstlers Hans Bossung (2000) schloss der Vortrag von Norbert Michel.



Wiesbadener Kurier und Wiesbadener Tagblatt vom 07.03.2009

Walluf in alten Ansichten

07.03.2009 - RÜDESHEIM

(red). "Niederwalluf in historischen Darstellungen" ist der Titel des Vortrags, den Norbert Michel, Mitarbeiter des Heimatarchivs Walluf, am Dienstag, 10. März, um 19.30 Uhr im Rathaussaal Rüdesheim hält. Dazu lädt die Gesellschaft zur Förderung der Rheingauer Heimatforschung ein.

Ausgehend von den ältesten Ansichten Niederwallufs auf den Rheinlaufkarten des 16. Jahrhunderts bezieht er auch das Erscheinungsbild des ganzen Rheingaus in seine Betrachtungen mit ein. Ausführlich beschäftigt er sich mit den Gemarkungsplänen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und Skizzenbüchern von Rheinreisenden und den Werken von Malern der Romantik. Nach der Präsentation weiterer Ortsansichten mit Angaben zur Biographie der Künstler, zeigt Michel eine Bildfolge über das Gebück bei Niederwalluf.


Buchbesprechung aus Rheingau Forum 4/2008

Beiträge zur Wallufer Ortsgeschichte, Heft 4.
Hrsg.: Heimatarchiv der Gemeinde Walluf
Walluf 2008, 270Seiten / 15,OO€

Bezugsquelle:
Rathaus Walluf
Mühlstraße 40
65396 Walluf

Buchbesprechung aus Rheingau Forum 4/2008

Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Heimatarchivs Walluf legen die fünf derzeitigen Wallufer Heimatarchivare Elke Detmann, Norbert Michel, Heinrich Scharhag, Gerda Schmitt-Teßmann und Hermann Stemmler das vierte Heft der Reihe „Beiträge zur Wallufer Ortsgeschichte" vor, mit seinen rund 30 Beiträgen und 270 Seiten weit umfangreicher als seine drei Vorgänger.

Norbert Michel befasst sich in einem langen Beitrag (S. 22-56) mit der Geschichte des „Schliefshof (Haselnussgasse 9), indem er die Besitzgeschichte des Hofes vom Mittelalter bis in die Gegenwart verfolgt. Dabei geht er aus von dem zwischen 1130 und 1255 genannten Adelsgeschlecht von Waldaffa und zeichnet den Besitzwechsel durch die Jahrhunderte nach über die Lindauer, die seit 1285 nachweisbar sind, die Grorod, deren Wappen mit der Jahreszahl 1542 im Haupthaus noch zu sehen ist, die von Bettendorf, Köth von Wanscheid und von Hornstein sowie die seit 1801 auftretenden bürgerlichen Familien Schipfer, Gontard, Kessler und schließlich Wil-lett. Dem erfahrenen Familienforscher gelingt es, mit der genealogischen Methode die erstaunliche Größe des ursprünglichen Anwesens zu rekonstruieren und in einer Kartenskizze auf der Grundlage einer Quelle von 1773 zu veranschaulichen, mit dem Ergebnis, dass der alte Lindauer Hof die gesamte Fläche zwischen den Ortsgrenzen nach Eltville und Oberwalluf, dem Wallufbach und der heutigen Bundesstraße 42 eingenommen hat. Noch heute handelt es sich bis auf wenige Ausnahmen um einen zusammenhängenden Komplex. In einer persönlichen Mitteilung für den Rezensenten hat Martin Willett, der leider 2006 unerwartet von uns gegangen ist, schon die Vermutung geäußert, dass „alles Land westlich der Walluf dem später Köthischen Hof zugehörte". In ein Luftbild von Niederwalluf hat er sein Anwesen eingezeichnet mit der Bemerkung „Gesamtfläche Willett etwa 7 Hektar".

Damit dürften wir den bis ins Frühmittelalter zurückgehenden Fron- oder Herrenhof, das ursprüngliche Herrschafts- und Verwaltungszentrum der Siedlung, vor uns haben, das von jeher genau an dieser Stelle gelegen hat. Insofern muss die verbreitete Ansicht, dass Walluf erst im Spätmittelalter nach Westen hinter den Wallufbach verlegt worden sei oder Walluf ursprünglich aus zwei Siedlungen bestanden habe, wesentlich modifiziert werden: Niederwalluf ist immer eine Siedlung gewesen, bestehend dem Fronhof (heute Schliefshof) und einer Anzahl von Hofreiten abhängiger Bauern, die allerdings ursprünglich östlich der Walluf bei der Johanniskirche saßen. Nur diese sind wohl im 14. Jh. hinter das Gebück auf die Westseite der Walluf umgezogen.

Noch mindestens zwei weitere längere Beiträge sind wegen ihrer Thematik besonders hervorzuheben. Gerda Schmitt-Teßmann behandelt den Pfälzischen Erbfolgekrieg in der Widerspiegelung der Niederwallufer Gemeinderechnungen von 1683 bis 1699 (S. 83-138). Diese Quellengattung gilt nicht nur unter Heimatforschern als eine spröde Materie, um die man gerne einen Bogen macht, weil sie sich nicht so leicht erschließen wie dicke Prozessakten und Hausbücher, aus denen man einfacher einen gut lesbaren Erzählstoff schöpfen kann. Der Verfasserin gelingt es aber nach einer ausführlichen Einordnung der Ereignisse in übergeordnete Zusammenhänge, das widerspenstige Verwaltungsmaterial zum Sprechen zu bringen. Es bedarf allerdings einer gewissen Geduld aufseilen des geneigten Lesers, die Listen der Gemeinde-Einnahmen und der Ausgaben für die Kriegskosten zu studieren. Dann wird man aber belohnt durch eine überwältigende Fülle von Einzelangaben, die ein authentisches Bild über die Zustände in einer ländlichen Gemeinde während des Krieges vermitteln: „Einem Husaren, der mit seinem kranken Pferd vom Schwarzwald gekommen, Heu vom Rathaus und Bier und Brot gegeben." Dies ist ein kleiner Beleg für die Feststellung der Verfasserin, dass das „Verhältnis der Bevölkerung zu den Soldaten [der kaiserlichen Armee] im allgemeinen als freundlich geschildert wird", während den Menschen seit dem Einfall der Franzosen gleichzeitig durch Brand, Raub, Kontributionen und andere Feindseligkeiten größter Schaden zugefügt wurde.

Heinrich Scharhag bereichert unsere Kenntnis über das Lindauer Gericht durch die Publikation eines umfassenden Rechtsgutachtens von 1773, das er durch weitere Urkunden über einzelne Streitfälle ergänzt hat. Der Schriftsatz behandelt das sog. „Lindauische Weistum", die „kurfürstliche Mainzer Landeshoheit" sowie verschiedene Rechte bezüglich der Waldungen, der Vorlese, des Waidgangs, der Schäferei und Fischerei und die Strafgerichtsbarkeit.

Um einen Eindruck von der thematischen Breite des Buches zu vermitteln, seien wenigstens einige der kürzeren Beiträge angesprochen, ohne dass sie an dieser Stelle im einzelnen gewürdigt werden können. Überaus lebendig stellt Frank-Michael Mella die Geschichte seiner Familie dar, die mit dem 1719 aus Oberitalien eingewanderten Carlo Mella beginnt. Zugleich ist es die Geschichte des Hauses Kirchgasse 13, das 132 Jahre im Familienbesitz gewesen ist. Zwei weitere Häusergeschichten befassen sich mit dem Haus Hauptstraße 26 und dem Haus Rheinstraße 6, an dessen Stelle sich vermutlich 1660 das ehemalige Rathaus befand. Dr. Peter Jeschke stellt die Pontonbrücke der Flusspioniere vor, die während des Zweiten Weltkrieges zwischen Walluf und Budenheim errichtet wurde. Er wertet dazu zwei Schmalfilme, eine Diaserie und das Tagebuch des damals verantwortlichen Pionierhauptmanns aus. Pfarrer Josef Schäfer, aus Walluf stammend und nach seiner Pensionierung in seinen Heimatort zurückgekehrt, erinnert sich an seine Zeit mit der katholischen Jugend in Niederwalluf. Elke Detmann entwirft ein ausführliches Porträt mit zahlreichen Zeichnungen und Plastiken des „Künstler-Pfarrers" Friedrich Mecke, des ersten Pfarrers der selbständigen evangelischen Kirchengemeinde Walluf von 1952-1976.150 Mappen mit Werken aus seinem Nachlass konnten 2006 vom Heimatarchiv übernommen werden. Eine ganze Reihe kleiner, z. T. anekdotenhafter Beiträge, beispielsweise über das „Gemeindebad", die Ober- und Niederwallufer Orgeln und die Eisenbahn, runden den Band ab.

Alles in allem eine solide Arbeit der Heimatarchivare, zuverlässig geschöpft und dokumentiert aus Primärquellen, insbesondere den im Ortsarchiv versammelten Materialien, die auf diese Weise lebendig werden und unser Wissen über die Gemeinde und ihre Bewohner bereichern. Nicht zuletzt der ausgezeichnete Beitrag von Norbert Michel über den Schliefshof bietet einen wertvollen Erkenntnisfortschritt, womit zugleich dokumentiert wird, wie Heimatforscher im Rahmen einer an moderner, aktueller Fragestellung orientierten Siedlungsforschung mit einem überzeugenden neuen Ergebnis aufwarten können.

Manfred Laufs


Wiesbadener Kurier vom 30.06.2008

Vom Jungfrauenverein bis zum künstlerisch tätigen Pfarrer

Von Angelika Eder

Neue Beiträge zur Wallufer Ortsgeschichte erschienen

WALLUF Köpenickiade des Eisenbahngehilfen Lauter, Kriegskosten für das Pferd von Leutnant Esterhazy, Bürgermeistersohn beim Pariser Nationalkonzil, Wasserspiele im Gemeindebad, böse Buben an der Orgel... Die Themen der Wallufer Ortsgeschichte Band 4 sind wie gewohnt breit gefächert, und mit ihnen stellen die Heimatarchivare einmal mehr unter Beweis, wie unterhaltsam die Beschäftigung mit Ortshistorie sein kann. "Für Walluf gibt es aber auch unheimlich viele interessante Themen", so Heinrich Scharhag, der den 270-seitigen Band unter anderen mit Artikeln über die Geschichte des Lindauer Gerichts oder die "bedeutendste Persönlichkeit des Ortes", Karl Kolborn (1744-1816), bereichert: Der Priester, zunächst Erzieher der beiden Kinder des Grafen Franz Konrad von Stadion und späterer Dekan des St. Stephanstiftes in Mainz, wurde an der Seite von Kurfürst Dalberg laut Scharhag "zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten in den Kämpfen um die Rettung bzw. Erneuerung der katholischen Kirche nach der Säkularisierung in Deutschland." Vergnüglich Wer sich für den Werdegang des Bürgermeistersohnes aus Walluf interessiert, der zwar die Kirche, aber nicht den Papst für unfehlbar hielt und als einer der aufgeklärtesten Geistlichen Deutschlands galt, wird hier fündig: Eine Rarität, denn über Kolborn findet sich sonst nur wenig Literatur. Ausgesprochen vergnüglich liest sich der Artikel über den "Marienverein", der nur Jungfrauen von unbescholtenem Lebenswandel aufnahm und die jungen Mädchen zu sittlich geordnetem Leben und standesmäßiger Tugend führen wollte, während der "Pfälzische Erbfolgekrieg" schon schwerere Kost ist. Dank uralter Quellen aus dem Tresor des Archivs sind darin unter anderem Aufstellungen aus der "Nider Wallufer gemein Rechnung vom Jahr 1692" nachzulesen, etwa: "Den 9. Oktober isst Herr Obrist Leutnant Wangen hier mit einigen Offizieren und Bediensteten zu Mittag 9 junge Hühner ohne den Wirts Zettel: 1 fl (Floriner Gulden)... Den 26. Dez. Herrn Leutnant Rinck für eine halbe Woche Servis bezahlt: 1 fl.... Den Meister wegen des verreckten Pferdes eines Husaren geholt, an Brückengeld gezahlt: 4 xr." Seelsorger Mecke Zu den bedeutenden Persönlichkeiten Wallufs aus der jüngeren Vergangenheit, die in Band 4 vorgestellt werden, zählt der Seelsorger und Künstler Friedrich Mecke, von dem das Archiv dank der Spende seiner Schwester inzwischen zahllose Zeichnungen beherbergt. Elke Detmann, die den ersten Pfarrer der selbständigen evangelischen Kirchengemeinde noch persönlich kannte, schildert Leben und Wirken des Mannes, der auf Druck des Kirchenvorstandes sein Amt aufgeben musste: Man fürchtete, der Pfarrer vernachlässige seelsorgerische Aufgaben zugunsten seiner künstlerischen Arbeiten, die, wie einige Beispiele in dem Buch belegen, bemerkenswert sind. Neben den Archivaren Detmann, Norbert Michel, Heinrich Scharhag, Gerda Schmitt-Teßmann und "Pensionär" Hermann Stemmler lieferten auch Peter Jeschke, Frank-Michael Mella und Pfarrer Josef Schäfer interessante Beiträge. Dazu zählen "Die Flusspioniere in Niederwalluf 1939 bis 1942", "Die Italiener aus der Kettengass", ein Artikel, in dem der Autor Ergebnisse seiner Familienforschung zusammenträgt, und "Jugend mit Mut: Versuch einer Deutung des neuen Aufbruchs in St. Johannes in Niederwalluf." Die Lektüre zum Schmunzeln, Informieren und Aufbessern der Geschichtskenntnisse, ist den Archivaren und der Gemeinde Walluf zu verdanken, die als eine der wenigen solche Publikationen finanziert. Das Wallufer Geschichtsheft ist für 15 Euro im Archiv und bei der Wallufer Gemeindeverwaltung erhältlich.


Wiesbadener Tagblatt vom 28.06.2008

Vom Jungfrauenverein bis zum künstlerisch tätigen Pfarrer

Die Themen in Heft vier zur Wallufer Ortsgeschichte sind breit gefächert

red. WALLUF Köpenickiade des Eisenbahngehilfen Lauter, Kriegskosten für das Pferd von Leutnant Esterhazy, Bürgermeistersohn beim Pariser Nationalkonzil, Wasserspiele im Gemeindebad, böse Buben an der Orgel...
Die Themen der Wallufer Ortsgeschichte Heft 4 sind wie gewohnt breit gefächert, und mit ihnen stellen die Heimatarchivare einmal mehr unter Beweis, wie unterhaltsam die Beschäftigung mit Ortshistorie sein kann.

"Für Walluf gibt es aber auch unheimlich viele interessante Themen", so Heinrich Scharhag, der den 270-seitigen Band unter anderen mit Artikeln über die Geschichte des Lindauer Gerichts oder die "bedeutendste Persönlichkeit des Ortes", Karl Kolborn (1744-1816), bereichert: Der Priester, zunächst Erzieher der beiden Kinder des Grafen Franz Konrad von Stadion und späterer Dekan des St. Stephanstiftes in Mainz, wurde an der Seite von Kurfürst Dalberg laut Scharhag "zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten in den Kämpfen um die Rettung beziehungsweise Erneuerung der katholischen Kirche nach der Säkularisierung in Deutschland." Wer sich für den Werdegang des Bürgermeistersohnes aus Walluf interessiert, der zwar die Kirche, aber nicht den Papst für unfehlbar hielt und als einer der aufgeklärtesten Geistlichen Deutschlands galt, wird hier fündig: Eine Rarität, denn über Kolborn findet sich sonst nur wenig Literatur.

Ausgesprochen vergnüglich liest sich der Artikel über den "Marienverein", der nur Jungfrauen von unbescholtenem Lebenswandel aufnahm und die jungen Mädchen zu sittlich geordnetem Leben und standesmäßiger Tugend führen wollte, während der "Pfälzische Erbfolgekrieg" schon schwerere Kost ist.

Dank uralter Quellen aus dem Tresor des Archivs sind darin unter anderem Aufstellungen aus der "Nider Wallufer gemein Rechnung vom Jahr 1692" nachzulesen, etwa: "Den 9. Oktober isst Herr Obrist Leutnant Wangen hier mit einigen Offizieren und Bediensteten zu Mittag 9 junge Hühner ohne den Wirts Zettel: 1 fl (Floriner Gulden) Den 26. Dez. Herrn Leutnant Rinck für eine halbe Woche Servis bezahlt: 1 fl.... Den Meister wegen des verreckten Pferdes eines Husaren geholt, an Brückengeld gezahlt: 4 fl."

Zu den bedeutenden Persönlichkeiten Wallufs aus der jüngeren Vergangenheit, die in Heft 4 vorgestellt werden, zählt der Seelsorger und Künstler Friedrich Mecke, von dem das Archiv dank der Spende seiner Schwester inzwischen zahllose Zeichnungen beherbergt. Elke Detmann, die den ersten Pfarrer der selbständigen evangelischen Kirchengemeinde noch persönlich kannte, schildert Leben und Wirken des Mannes, der auf Druck des Kirchenvorstandes sein Amt aufgeben musste: Man fürchtete, der Pfarrer vernachlässige seelsorgerischen Aufgaben zugunsten seiner künstlerischen Arbeiten, die, wie einige Beispiele in dem Buch belegen, bemerkenswert sind. Neben den Archivaren Detmann, Norbert Michel, Heinrich Scharhag, Gerda Schmitt-Teßmann und "Pensionär" Hermann Stemmler lieferten auch Dr. Peter Jeschke, Frank-Michael Mella und Pfarrer Josef Schäfer interessante Beiträge.

Dazu zählen "Die Flusspioniere in Niederwalluf 1939 bis 1942", "Die Italiener aus der Kettengass", ein Artikel, in dem der Autor Ergebnisse seiner Familienforschung zusammenträgt, und "Jugend mit Mut: Versuch einer Deutung des neuen Aufbruchs in St. Johannes in Niederwalluf." Lektüre zum Schmunzeln, Informieren und Aufbessern der Geschichtskenntnisse, den Archivaren und der Gemeinde zu verdanken, die als eine der wenigen solche Publikationen finanziert. Für 15 Euro im Archiv und bei der Gemeindeverwaltung erhältlich.


Wiesbadener Kurier vom 13.05.2008

Als Anton mit dem Proviantboot unterwegs war

25 Jahre Wallufer Heimatarchiv: Ausstellung dokumentiert den Wandel des Gewerbes

Da werden Erinnerungen wach: Bis Ende Mai läuft die Ausstellung über den Wandel des Gewerbes.RMB/Margielsky

WALLUF Gleich mehrfachen Grund zum Anstoßen hatten die Wallufer am vergangenen Samstag im Vereinshaus. Das Heimatarchiv, das 1983 anlässlich des Fundes vieler alter Akten auf dem Dachboden des Rathauses gegründet wurde, feierte sein 25jähriges Bestehen.

Von Anja Baumgart-Pietsch

Die vier ehrenamtlichen Archivare Elke Detmann, Norbert Michel, Heinrich Scharhag und Gerda Schmitt-Tessmann hatten zum 25-jährigen Bestehen eine interessante Ausstellung zusammengestellt, die sich mit dem Gewerbetreiben in Walluf seit den 50er Jahren befasst. Und gleichzeitig präsentierten sie den vierten Band der "Beiträge zur Wallufer Ortsgeschichte", in dem auf 280 Seiten über 30 Aufsätze und viele Fotos zur Geschichte des Orts zusammengefasst sind.

Kein Nagel, keine Bluse

Die Arbeit an beiden Projekten habe sich gelohnt, sagte Bürgermeister Manfred Kohl bei der Eröffnung der Ausstellung. Die Wallufer Bürger sind nun bis Ende Mai samstags, sonntags und mittwochs eingeladen, sich anzusehen, wie vielfältig das Gewerbe Wallufs einmal war. Leider sei nur noch wenig davon übrig geblieben, sagte Heinrich Scharhag. "Wenn heute von der Globalisierung und ihren Gefahren gesprochen wird - Wallufer Gewerbebetriebe haben sie längst erlebt." Das Angebot für Artikel des täglichen Bedarfs sei allerdings inzwischen drastisch ausgedünnt. Zwar haben sich im Gewerbegebiet drei Supermärkte angesiedelt, doch einen Nagel, eine Bluse, eine Dose Farbe oder das breitgefächerte Angebot der ehemals fast zehn Lebensmittelgeschäfte, das auf die jeweiligen Kundenwünsche ausgerichtet war, gibt es nicht mehr. "All das war einmal."

Banküberfall von 1967

Was einmal war, kann im Vereinshaus an den Stellwänden besichtigt werden. Anekdoten wie die von Anton Schiel und seinem "Proviantboot", von der Zahnfabrik Wilde oder der Schokoladenfabrik Mauxion, der Waldaffa-Mineralwasserquelle, vom Wirt, dem "dicken Willi", Hedwig Conrads Textilhaus oder auch vom Banküberfall auf die Volksbank-Filiale anno 1967, bei dem der Täter immerhin 3000 Mark erbeutete, sind ausführlich dokumentiert und bebildert. Und anhand alter Postkarten bis hin zu aktuellen Bildern der Glaspaläste im Gewerbegebiet wird der Wandel sehr anschaulich deutlich gemacht.

Etwas Besonderes bietet Norbert Michel an den beiden Mittwochnachmittagen, 14. und 21. Mai an: Er gibt zu "Stammbäumen" Wallufer Familien kompetent Auskunft.


Wiesbadener Kurier vom 10.05.2008

25 Jahre Heimatarchiv

red. WALLUF Das 25-jährige Bestehen feiert das Heimatarchiv. So wird die Ausstellung "Handel und Gewerbe in Walluf im Wandel der Zeit" heute, 10. Mai, um 14 Uhr im Vereinshaus Niederwalluf eröffnet. Im Anschluss wird die Ausstellung bis zum 30. Mai zu sehen sein. Öffnungszeiten sind mittwochs von 14 bis 19 Uhr, samstags von 14 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr und am Pfingstmontag, 12. Mai, von 11 bis 18 Uhr. Als besonderes Schmankerl steht Ahnenforscher Norbert Michel jeweils mittwochs Wallufer Familien Rede und Antwort zu ihren Stammbäumen. Ebenfalls aus Anlass des 25-jährigen Bestehens erscheint der vierte Band der Beiträge zur Ortsgeschichte. Restexemplare der bislang erschienenen Bände sind im Rathaus erhältlich.


Pressemitteilung der Gemeinde Walluf, 22.04.2008
Einsegnung des Limbe-Kreuzes am neuen Standort

Restaurierung des Feldkreuzes ist abgeschlossen

"Ich freue mich, dass die Restaurierung des Limbe-Kreuzes erfolgreich abgeschlossen werden konnte und es an seinem neuen Standort wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich ist", so der Wallufer Bürgermeister Manfred Kohl.

Nach längeren Gesprächen mit dem Landesamt für Denkmalpflege und den Heimatarchivaren wäre ein neuer Standort für dieses Feldkreuz gefunden worden. Durch Verhandlungen mit einem privaten Grundstückseigentümer konnte erreicht werden, dass der neu ausgewählte Standort auch realisiert werden kann. Der neue Standort läge an der Verbindungsstraße zwischen der Oberen Martinsthaler Straße und dem Baugebiet "Im Sand".

Mit einer Feierstunde wolle man das restaurierte Kreuz am neuen Standort der Öffentlichkeit übergeben. Diese Feierstunde findet am Samstag, dem 26. April 2008, um 14.30 Uhr statt. "Zu dieser kleinen Feier, in deren Verlaufe das Feldkreuz von den Pfarrern eingesegnet wird, laden wir die Wallufer Bevölkerung herzlich ein und würden uns über eine rege Teilnahme freuen", so Manfred Kohl.

Dieses Feldkreuz habe seit 1811 am Weg zum Nußberg gestanden. Nachdem in der Feldgemarkung um das Limbe-Kreuz das Gewerbegebiet ausgewiesen worden sei, hätte dann durch den Bau des Autobahnzubringers das Kreuz im Abseits gestanden und sei nur noch über Schleichwege zu erreichen gewesen. Die Restaurierung und Umsetzung des Limbe-Kreuzes sei mit privaten Spenden mitfinanziert worden. Insgesamt seien rund 2.700 € an Spenden eingegangen.

"Allen Spenderinnnen und Spendern danke ich sehr herzlich für ihre Unterstützung. Damit konnte das Kreuz restauriert und der gestohlene Christuskorpus ersetzt werden", so Bürgermeister Manfred Kohl abschließend.


Pressemitteilung der Gemeinde Walluf, 10.04.2008
Wallufer Heimatarchiv feiert Geburtstag

Jubiläumsausstellung unter dem Titel "Handel, Gewerbe und städtebauliche Entwicklung in Walluf im Wandel der Zeit"

Das Wallufer Heimatarchiv kann in diesem Jahr auf 25 Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken. "Wir können uns glücklich schätzen, dass wir so engagierte und ehrenamtliche Heimatarchivare haben. In den 25 Jahren des erfolgreichen Wirkens der Archivarinnen und Archivare konnte vieles aus der Wallufer Geschichte aufgearbeitet und für die nachfolgenden Generationen erhalten werden. Dafür danke ich unserem Heimatarchiv sehr herzlich", so der Wallufer Bürgermeister Manfred Kohl.

Aus Anlass des Jubiläums werde es in diesem Jahr auch ein erneute Ausstellung des Wallufer Heimatarchivs geben. Diese Ausstellung stehe unter dem Motto "Handel und Gewerbe in Walluf im Wandel der Zeit". Derzeit seien die Heimatarchivarinnen und Heimatarchivare mit Hochdruck mit der Vorbereitung dieser Ausstellung beschäftigt. "Vieles Material über Handwerksbetriebe und Geschäfte, die in der Vergangenheit in Walluf existierten, wurde bereits in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen. Wir sind uns aber sicher, dass in vielen Kellern und auf vielen Speichern noch weiteres Material schlummert. Ich würde mich sehr freuen, wenn auch diese Unterlagen und Zeitzeugnisse dem Archiv zur Verfügung gestellt würden. Jeden Mittwoch in der Zeit von 15.00 bis 18.00 Uhr sind unsere Archivare im Heimatarchiv im Vereinshaus Niederwalluf", so Manfred Kohl.
Die Ausstellung werde am Samstag, dem 10.05.2008 um 14.00 Uhr im Vereinshaus Niederwalluf eröffnet. Die Ausstellung werde bis zum 30.05.2008 andauern und während dieser Zeit samstags in der Zeit von 14.00 bis 18.00 Uhr, sonntags in der Zeit von 11.00 bis 18.00 Uhr, am Pfingstmontag, den 12.05.2008, in der Zeit von 11.00 bis 18.00 und mittwochs von 14.00 bis 19.00 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Darüber hinaus habe sich Herr Norbert Michel, einer der ehrenamtlichen Heimatarchivare angeboten, 2 x mittwochs zu "Stammbäumen" Wallufer Familien kompetente Auskünfte zu erteilen. Hierbei sei es hilfreich, wenn die Wallufer Familien bereits vorhandene Unterlagen mitbringen würden. Die Ahnenforschung sei einer der Arbeitsschwerpunkte von Norbert Michel, so der Wallufer Bürgermeister.

Aus Anlass der 25- jährigen Jubiläums des Wallufer Heimatarchivs werde auch der Band 4 der Beiträge zur Wallufer Ortsgeschichte erscheinen, der wiederum auf abwechslungsreiche Art und Weise auf verschiedene historische Geschehnisse eingeht. In diesem Zusammenhang wies Bürgermeister Kohl auch darauf hin, dass die bereits erschienenen Bände 1 bis 3 in einigen Exemplaren noch im Wallufer Rathaus erhältlich seien.

"Ich freue mich bereits heute auf die Ausstellung unseres Heimatarchivs und ich kann mich persönlich auch noch sehr gut daran erinnern, wie viele Handwerksbetriebe und Geschäfte es früher in Walluf gab. Gleichzeitig bedanke ich mich sehr herzlich bei unseren engagierten Archivaren für ihre hervorragende und einzigartige Arbeit. Natürlich werden wir das Archiv in seiner Arbeit auch weiterhin gerne unterstützen", so Bürgermeister Manfred Kohl abschließend.


Wiesbadener Tagblattvom 19.02.2008

Schild erinnert an Lindauer Gericht

Skurrile Rechtslage rund um Walluf im Mittelalter / Gebiet ging an das Herzogtum Nassau über

dod. "Das Lindauer Gericht" stand im Mittelpunkt eines Vortrags der Gesellschaft zur Förderung der Rheingauer Heimatforschung im Rüdesheimer Rathaus. Referent war Heinrich Scharhag, ehrenamtlicher Wallufer Archivar. Heute erinnert nur ein Schild am Haus Hauptstraße 42 in Walluf daran, dass sich hier vor 500 Jahren das Gebäude des Lindauer Gerichts befand. Der Name geht auf den Stammvater der Ritter von Lindau zurück, Frank von Wiesbaden. Der erwarb das Dorf Walluf vom Kloster Kornelimünster bei Aachen. In Walluf berührten sich die territorialen Interessen von Nassau und Kurmainz. Die Gemeinden Walluf und Neudorf, heute Martinsthal, lagen im kurmainzischen Rheingau, ihre Felder und Weinberge jedoch auf dem Gebiet des Lindauer Gerichts. Dessen Grenzen erstreckten sich entlang des Wallufbachs bis zur Firma Efen, von dort bis Frauenstein und dann Richtung Rhein. Das Lindauer Gericht, das 1304 erstmals erwähnt wurde, war zum einen das Territorium, zum anderen auch das Gerichtswesen. Die Bürger der Gemeinden Walluf und Neudorf, die Mainzer Untertanen waren, wurden aber wegen ihrer Ländereien im Bezirk des Lindauer Gerichts verpflichtet, das Schöffenamt am Lindauer Gericht zu übernehmen. Viermal im Jahr versammelten sich die Schöffen auf dem Gerichts- platz. Der Gerichtsplatz wurde erstmals im Jahr 1367 erwähnt. Wie skurril die Streitigkeiten zwischen den beiden Herrschaftsgebieten war, zeigt ein Rechtsvergehen. 1592 wurde Schulmeister Dietrich Müller wegen Ehebruchs auf dem Gebiet des Lindauer Gerichts gefangen genommen und nach Wiesbaden gebracht. Kurmainz jedoch forderte die Übergabe des Schulmeisters, weil die Schule auf seinem Gebiet lag. Kurmainz setzte die Auslieferung durch und ließ den Schulmeister frei. Zahlreiche Rechtsvergehen sind in den alten Unterlagen überliefert, etwa ein Fall von 1590. Hans Schlag wurde gefangen genommen, weil er ein Feuer gelegt hatte. Er wurde ins Gefängnis nach Eltville gebracht. Auch der Mord am Bäcker Conrad Behold aus Frauenstein, der in Niederwalluf von Werner von Lindau verübt worden war, wurde am Lindauer Gericht verhandelt. Um 1740 machte Kurmainz den Versuch, den Einfluss des Gerichts einzuengen. Es errichtete 20 Meter vom Lindauer Gerichtsgebäude entfernt ein kurfürstliches Gericht. Mit vereinfachten Verfahren und niedrigeren Rechtsgebühren lockte es die "Kunden" an. So standen für etwa 80 Familien ganze zwei Gerichte zur Verfügung. Die Herren des Lindauer Gerichts machten es ihren Bürgern nicht einfach. So hatten die Ritter von Lindau das Recht, den Ortspfarrer zu bestimmen. Die gemeinschaftlichen Wälder wurden von ihnen abgeholzt, die Weiden von ihrem Vieh abgegrast. Auch an die Schonzeit für das Jagen haben sie sich nicht gehalten. Mit der Säkularisierung verschwand 1803 sowohl der kurmainzische Rheingau als auch das Lindauer Gericht von der Landkarte. Das Gebiet ging an das Herzogtum Nassau über.


Wiesbadener Kurier vom 03.04.2008

Schottisches Wappen am Portal

Denkmaltopografie erfasst historische Gebäude im Rheingau/Gemeinden nehmen Stellung

Von Denkmalwert: Auch der ehemalige Adelshof in der alten Wallufer Hauptstraße ist in der Denkmaltopografie vermerkt.

hi. WALLUF Schlicht "Idylle" wird der ehemalige Adelshof in der Hauptstraße 14 in Walluf genannt. Er ist eines der Kulturdenkmäler, die in der Denkmaltopografie vermerkt werden sollen.
Die "Freiadelige Hofstätte" e befand sich 1736 im Besitz der Frey von Dehrn, ein Jahr später ging das Barockgebäude an den Freiherrn von Greiffenclau zu Vollraths über. Das stattliche Anwesen in der Wallufer Hauptstraße wechselte häufig die Besitzer, gehörte einem Oberschultheißen zu Niederwalluf und dem Weihbischof Josef Freiherr von Kolborn bis es 1908 an die Familie des Regierungsrats Archibald MacLean of Courths geriet. Das Wappen dieser schottischen Familie prangt noch heute über dem prächtigen Portal mit schmiedeeisernem Tor. Den Namen bekam das unter Denkmalschutz stehende Anwesen durch die Gaststätte "Rheinidylle", die sich ebenfalls zeitweise in dem Gebäude befand.

Die Geschichte, die viele historische Häuser erzählen können, lässt sich künftig in der Denkmaltopografie für den Rheingau nachlesen, an der die Walluferin Dagmar Söder im Auftrag des Landesamtes für Denkmalschutz schon einige Jahre arbeitet. Die Gemeinde Walluf hat zur Liste von Denkmalen in ihrem Gebiet Stellung genommen, einiges ergänzt oder korrigiert. Die systematische Erfassung denkmalwerter Bausubstanz für jede Gemeinde im Rheingau - die für den Untertaunus-Kreisteil ist bereits abgeschlossen - basiere auf einer über 20 Jahre alten Verpflichtung aus dem hessischen Denkmalschutzgesetz, teilt die Gemeinde mit. Bisher wurden die Kulturdenkmäler nur in Arbeitslisten zusammengefasst. Die betroffenen Eigentümer wurden bisher nicht beteiligt, das soll nun nach und nach geschehen.

Die Gemeinde Walluf übergab die Unterlagen dem Heimatarchiv zur Begutachtung. Von dort und inbesondere von Heimatarchivar Norbert Michel stammen die grundlegenden Daten und Beschreibungen der Denkmalsubstanz Wallufs. Die Gemeinde Walluf kritisierte jetzt, dass keine Genehmigung des Urhebers eingeholt worden sei oder der Heimatarchivar als Quelle genannt wurde. Zu den Wallufer Denkmälern zählen das Eisenbahnviadukt ebenso wie das Lindauer Gericht und die Figur des Heiligen Johannes von Nepomuk, die Johanniskirchenruine ebenso wie der Stadioner Hof in der Kirchgasse oder die Bugmühle und die Reste des Gebücks.


Wiesbadener Tagblatt (Rheingauer Bürgerfreund) vom 16.12.2005

Norbert Michel vom Heimatarchiv Walluf berät die Rüdesheimer

RÜDESHEIM Norbert Michel vom Heimatarchiv Walluf gab jetzt auf Einladung der Gesellschaft zur Förderung der Rheingauer Heimatforschung in Rüdesheim Ratschläge für die Praxis der Ahnenforschung.

Von

Thorsten Stötzer

Wer die Geschichte seiner Familie erforschen möchte, kann die Rheingauer Kirchenbücher im Limburger Bistumsarchiv einsehen oder die Internetseiten der Mormonen durchstöbern. Die Genealogie (Ahnenforschung) haben inzwischen viele Bürger zu ihrem Hobby gemacht.

Bei den Tipps von Norbert Michel ging es mehr um die Methoden als um die interessanten und teilweise kuriosen Ergebnisse von Recherchen. Besonders verwies er auf die spezielle Software und Internetportale zum Thema Ahnenforschung. Den Mormonen kommt nach seinen Angaben hohe Bedeutung zu, weil sie "Verbindungen für die Ewigkeit" schaffen wollen durch nachträgliche Taufen ihrer Vorfahren und sich daher akribisch mit der Genealogie auseinandersetzen.

So können auch die Kirchenbücher von Eltville, Erbach, Kiedrich, Hattenheim, Geisenheim, Johannisberg und Eibingen online auf ihren Seiten gelesen werden. Weiterhin erläuterte der Referent, wie Archivbestände und andere Akten als Quellen für die eigenen Familienforschung zu nutzen sind. Standesämter bestehen im Rheingau seit 1874. Die Kirchenbücher, so sagte er, hätten Pfarrer erstmals um 1550 angelegt. Oft gebe es aber Verluste, für Assmannshausen beispielsweise reichten die Kirchenbücher nur bis 1760 zurück.

Wer mit diesem Schrifttum arbeiten will, sollte etwas Latein beherrschen, wenn es sich um Aufzeichnungen aus der katholischen Kirche handelt. Die protestantischen Kleriker schrieben fast immer in Deutsch, allerdings sind in ihren Büchern beim Lesen ausgestorbene Schriften wie die so genannte Sütterlin-Schrift zu meistern.

Trotzdem sind laut Michel in den USA ein Drittel der privaten Internet-Homepages der Genealogie gewidmet. Dadurch ergeben sich Kontakte in den Rheingau, denn zur Zeit des Herzogtums Nassau wanderten etliche Familien aus dem Rheingau nach Texas aus. Wichtiger sei aber die Emigration nach Australien gewesen, berichtet er.

Der Rheingau habe einst aber auch als "Einwanderungsland" gegolten. Als wichtigste Gruppe bezeichnete der Redner die Italiener, die sich im 17. und 18. Jahrhundert ansiedelten. Alles in allem gebe es in der Region aber noch viel zu erforschen. Der Rheingau sei ein "genealogisches Notstandsgebiet", weil erschlossene Quellen und Publikationen weitgehend fehlten.

Einige bemerkenswerte und plakative Resultate seiner jahrelangen Arbeit am Thema präsentierte Michel seinen gut 40 Zuhörern im Rathaussaal dennoch. So belegte er, dass seine Familie schon 1744 in Niederwalluf sesshaft war und eine "Ahnengemeinschaft" mit den Vorfahren des Schriftstellers Carl Zuckmayer bestehe. Leute aus der Taunussteiner Gegend mit den Zunamen Bücher oder Schönborn besäßen noch prominentere Verwandtschaft, die bis auf die fränkischen Herrscher Karl Martell und Karl der Große zurückreiche.