Zur Geschichte des Hauses Hauptstrasse 26 in Niederwalluf

© Norbert Michel 2008

Dieser Beitrag erschien 2008 in Heft 4 der "Beiträge zur Wallufer Ortsgeschichte", herausgegeben vom Heimatarchiv Walluf

Die erste Erwähnung des Hauses Hauptstrasse 26 finden wir in einer Niederwallufer Schatzungsrenovation aus dem Jahre 1688. Hier wird erwähnt, dass "Herr Christoph Pictus, ein Haus auf der Straß, zum Hirsch genannt" besitzt.

In einer "Beschreibung aller bürgerlichen güeter in undt ausserhalb deß Fleckens Niederwalluff, sambt deren gült undt Zinß beschwerdten" aus dem Jahre 1660 ist weder der Hausname noch der Name des Herrn Pictus erwähnt, was aber nicht heißt, dass das Haus "Zum Hirsch" noch nicht erbaut ist. Unter den ca. 72 genannten Häusern befindet sich auch der "Hirsch", er konnte bisher leider noch nicht identifiziert werden.

Erst im Jahre 1752 finden wir die nächste Erwähnung des Hauses. Danach hat der Gastwirt Barthel Henrich senior seinen "Concehsionsbrief" für das Gasthaus "Zum Hirsch", ausgestellt am 13. Februar 1744, erneuern lassen.

Johann Bartholomäus Henrich stammt aus einer Familie, die schon im dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) in Niederwalluf ansässig war. Seine Ehefrau Maria Odilia Wagner war die Tochter des Niederwallufer Unterschultheißen und Gerichtsschöffen am Leyischen Gericht zu Niederwalluf Johann Jacob Wagner.

Der Vater des Barthel Henrich, Martin Henrich, war Bäcker und Gastwirt "Zum Löwen". Der Löwe befand sich am Beginn des Leinpfades nach Eltville. Das Haus steht schon lange nicht mehr, das Grundstück gehört heute zum Bereich des Hauses Hauptstraße 10 (Schipp). Martin Henrich war Gerichtsschöffe des Kurmainzischen Gerichtes zu Niederwalluf. Eventuell stammt der Hirsch aus dem Erbteil von Henrichs Ehefrau Maria Odilia Wagner. Im Heimatarchiv Walluf befinden sich Einquartierungsrechnungen aus dem Jahre 1713, in welchen Johann Jacob Wagner von der Gemeinde Niederwalluf die Kosten einfordert, welche bei ihm einquartierte Soldaten verursacht haben. Da die anderen Einquartierungsrechnungen meist von den anderen Gastwirten gestellt wurden, liegt die Vermutung nahe, dass J.J. Wagner in jener Zeit Besitzer des Hirschen war. Wahrscheinlich war aber um jene Zeit die Schildgerechtigkeit erloschen, in einer Steuerliste 1732 wird Herr Jacob Wagner unter den Handwerkern genannt.

Die nächsten Quellen, die herangezogen werden können, sind das Niederwallufer Stockbuch von 1773 und das Brandkataster von 1780. Im Stockbuch wird das Anwesen wie folgt beschrieben: "Nr. 30, eine Behausung samt Garten und der Schildgerechtigkeit "Zum Hirsch", Frau Lingier, Witwe von Mainz". Die Beschreibung des Brandkatasters 1780 lautet: "Madam Lingier in Mainz, ein zweistöckiges Haus, "Zum Hirsch" genannt, 600 fl (Gulden), ein Nebenhaus, 100 fl, eine Scheuer, Kelterhaus und Stall, 200 fl".

Der Begriff "Schildgerechtigkeit" stammt aus der Zeit, als Gastwirte mit einem Schild an der Hauswand auf ihr Gasthaus aufmerksam machten. Nicht jeder Wirt durfte ein Schild führen. Ebenso wie die "Brauge-rechtigkeit" (das Recht Bier zu brauen) oder "Schmiedegerechtigkeit" gab es auch die "Schildgerechtigkeit". Wirte, denen von der Obrigkeit die Schildgerechtigkeit verliehen war, wurden streng überwacht und mussten bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Sie hatten das Recht und die Pflicht Fremde aufzunehmen und zu bewirten.

Bei der "Witwe Lingier" handelt es sich um Anna Maria Lingier geb. Kirn. Anna Maria wurde 1709 in Niederwalluf geboren und war eine Tochter des Niederwallufer Oberschultheißen Peter Kirn. Die Familie Kirn war sehr begütert. Von den sechs Niederwallufer Schultheißen zwischen 1637 und 1741 stammten drei aus der Familie Kirn, nämlich der genannte Peter Kirn, sowie dessen Vater und Großvater. Mehr zur Geschichte der Familie Kirn findet sich in Heft 1 der "Beiträge zur Wallufer Ortsgeschichte".

Anna Maria Kirn heiratete 1728 den in Mainz geborenen Kaufmann Johann Jacob Lingier. Johann Jacob war der Sohn des italienischen Einwanderers Johann Baptist Lingier, dessen Beruf "italo Mercator" (italienischer Kaufmann) oder "Italiener", wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Synonym für eine ganze Berufsgruppe. In jener Zeit bestand eine starke Einwanderungsbewegung aus dem nördlichen Italien und dem heute zur Schweiz gehörenden Tessin in das Rhein-Main-Gebiet. Eine sehr große Anzahl dieser Einwanderer waren Krämer und Kaufleute, was dazu führte, dass die Berufsbezeichnung Krämer vom "Italiener" abgelöst wurde. Aus dieser Zeit befindet sich Im Heimatarchiv Walluf eine Rechnung des "Italieners Schmitt".

Im Wallufer Heimatarchiv befindet sich ein Schriftstück aus dem Jahre 1763, in welchem die damaligen Niederwallufer "Schildgerechtigkeiten" aufgeführt sind, nämlich: Das Gasthaus "Zum Löwen" im Besitz des Jacob Henrich jun., der "Goldene Engel", Eigentümer Martin Dotzheimer, der "Schwarze Adler" des Johann Adam Beringer, das Gasthaus "Zum Schwanen" des Jacob Henrich sen., sowie die Gasthäuser "Zum Anker", Joseph Geldner und "Zum goldenen Kreuz" des Nicolaus Reininger. Wie man erkennt, ist der "Hirsch" nicht genannt und verfügte zu der Zeit nicht über die Schildgerechtigkeit.

Laut einer Urkunde (Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden), ließ die "verwitwete Handelsfrau Lingier von Mainz" 1788 das Schildwirtshaus "Zum Hirsch" versteigern. Höchstbietender und damit neuer Eigentümer des Hauses wurde Marco Antonius Zoppi.

Zoppi war wie Lingier ein italienischer Einwanderer und betrieb in Niederwalluf einen Krämerladen. Er wurde um 1739 in Logo Broglis (bzw. Broglio) geboren. Zoppi heiratete 1761 die aus Ingelheim stammende Müllerstochter Anna Catharina Kippenberger. Diese war in erster Ehe mit dem in Niederwalluf geborenen Kaufmann Johann Melchior Mella verheiratet. Johann Melchiors Vater Carl Joseph Hyronimus Mella, stammte aus der Nähe Luzerns und war, wen überrascht`s, italienischer Kaufmann. Er war übrigens mit Maria Elisabeth Kirn, einer Schwester der oben genannten Anna Maria Lingier geb. Kirn verheiratet.

Ein anderer Sohn des Hyronimus Mella, der 1727 geborene Johann Kilian Mella, von Beruf Kaufmann, war Besitzer des Hauses Kirchgasse 13, in welchem sich bis vor kurzem das Kaffee von Frau M. Kurz befunden hat, das jetzt in der Hauptstraße 26 wieder eröffnet wird. Mellas Initialen und die Jahreszahl 1757, das Jahr in welchen das Haus umgebaut wurde, befinden sich noch heute neben der Eingangstür.

Um 1805 befand sich das Haus im Besitz des Metzgermeisters und Gastwirtes "Zum goldenen Hirsch" Martin Mehl. Unter ihm hat der Hausname also eine Aufwertung erhalten. Wir erinnern uns, die letzte Erwähnung des Hirschen als Gasthaus stammt aus dem Jahre 1788, scheinbar war in der Zwischenzeit die Schildgerechtigkeit erloschen, unter Martin Mehl wurde der Betrieb wieder aufgenommen.

Die Familie Mehl ist wohl die am längsten zu Niederwalluf ansässige Familie. Der Name wird schon in einem Steuerregister aus dem Jahre 1621 erwähnt.

Laut Stockbuch der Gemeinde Niederwalluf findet 1820 die Übergabe des Hauses Nr. 38, statt. Bei dem Haus Nr. 38 handelt es sich um den Hirschen. Der Besitz geht von Martin Mehl auf dessen Sohn Eberhard, geboren 1795 in Niederwalluf und dessen Ehefrau Margaretha Josepha geb. Merscheid aus Winkel über. Die Trauung der beiden erfolgte 1819 in Winkel. Im Stockbuch wird das Anwesen wie folgt beschrieben: "Ein zweistöckiges Wohnhaus, ein Nebenbau und Brennhaus, ein Kelterhaus, eine Scheune und Stall, ein Pferdestall, Hofraum, gelegen auf der Landstraße neben Johann Müller und Frau Mathieu".

1829 spielt sich in den Räumen des Hirschen ein Drama ab. Dem Niederwallufer Kirchenbuch ist folgendes zu entnehmen:

"10. Mai 1829, Friedrich Kollatz,geboren zu Wusterhausen bei Berlin, 21 Jahre alt, Sattlergeselle bey (unleserlicherer Name) Biebrich, näheres nicht bekannt. Eltern bis jetzt nicht bekannt. Der selbe übernachtete vom 9ten auf den 10ten Mai bei dem Gastwirt Eberhard Mehl dahier und wurde am 10ten Mittags erhängt in seinem Schlafzimmer gefunden.

10.Mai 1829, Schäfer Maria, wohnhaft und geboren zu Biebrich am 10. August 1810, ledig, evangelischer Religion, Tochter des Wilhelm Schäfer, dieselbe übernachtete vom 9ten auf den 10ten Mai mit dem vorgedachten Friedrich Daniel Kollatz in dem Gasthaus des Eberhard Mehl dahier und wurde am 10ten Mittags in ihrem Schlafzimmer durch Erdrosselung und mehreren Stichen in die linke Seite getödtet und Kollatz in demselben Zimmer erhängt gefunden."

Nähere Informationen zu diesem Drama liegen leider nicht vor, aber auch ohne all zuviel Phantasie kann man sich vorstellen, dass eine Liebestragödie hinter diesem Vorfall steht. Der auf Wanderschaft befindliche Sattlergeselle Kollatz, lernt in Biebrich Maria Schäfer kennen. Die beiden verlieben sich ineinander. Die Verbindung wird von den Eltern der Maria nicht toleriert, vielleicht ist Maria sogar schwanger. Die beiden reisen aus und logieren sich im Niederwallufer Hirschen ein. Bei ihren Überlegungen kommen sie zu dem Resultat, dass es keine Lösung für ihr Problem gibt und sie beschließen, ihr Leben zu beenden. Kollatz tötet Maria indem er versucht sie zu erdrosseln, als dies nicht gelingt, tötet er sie mit mehreren Messerstichen in die linke Seite, danach erhängt er sich. "Romeo und Julia" in Niederwalluf ist beendet.

Aus den Jahren 1838 bis 1863 liegen mehrere Stockbucheintragungen, den Hirschen betreffend vor:

1838

Nr. 38, Eberhard Mehl, ein Wohnhaus, ein Nebenbau, Stallung, 3 Gebäude, 1520 Gulden, versichert 19.11.1833

1838

Nr.39, Eberhard Mehl, ein Wohnhaus, Scheuer, Kelterhaus, Brennhaus, 4 Gebäude, 2680 Gulden, versichert 19.11.1833

1840

Eberhard Mehl, Nr. 38 und 39, ein verbessertes Wohnhaus, der Nebenbau und Brennhaus, Kelterhaus, Scheuer und Stall, Pferdestall, 5 Gebäude, 8800 Gulden, versichert 07.01.1840

1842

Nr. 38 und 39, Eberhard Mehl, ein Wohnhaus, ein Nebenhaus und Brennhaus, ein Kelterhaus, eine Scheuer und Stall, ein Pferdestall, 5 Gebäude, 8800 Gulden, versichert 01.01.1840

1863

Nr. 141, Eberhard Mehl, ein Wohnhaus, ein Nebenhaus und Brennhaus, ein Kelterhaus, eine Scheuer und Stall, ein Pferdestall, 5 Gebäude, 8800 Gulden, versichert 01.01.1840

Scheinbar ist der Gastwirtsbetrieb zwischen 1829 und 1838 zum erliegen gekommen. 1867 wird Eberhard Mehl als Gutsbesitzer in der Landstraße Nr. 141 erwähnt.
Nach der Okkupation des Herzogtums Nassau 1866 durch Preußen, wurde am 1. Juli 1867 auch das Postwesen von Preußen übernommen. Am 15. Februar 1868 wurde das erste Postamt zu Niederwalluf errichtet. Im Rheingaukreis besaß die Post zu dieser Zeit noch keine eigenen Dienstgebäude. Das Postamt zu Niederwalluf wurde im Gasthaus "Zum Hirsch" in der Hauptstraße 26 eingerichtet. Erster Postverwalter war der Hausbesitzer Joseph Mehl, der dieses Amt bis zu seinem Tod am 7. August 1894 bekleidete.
Das "Kaiserliche Postamt" in der Bahnhofstraße wurde erst 1904 von dem Schiersteiner Bauunternehmer Heinrich Thiele errichtet und am 1. April 1905 als "Mietpostamt" bezogen. Erst um 1925 wurde das Gebäude von der Reichspost gekauft. Das Niederwallufer Postamt befand sich also 37 Jahre, zwischen 1868 und 1905 in der Hauptstraße 26.

Eberhard Mehl verstarb am 06. Juni 1884. Aber bereits 1874 ging das Anwesen in den Besitz seiner Kinder über. Die Erbengemeinschaft bestand aus seinen Söhnen Joseph, geb. 1826, der die Stelle des Niederwallufer Postmeisters ausübte, Christoph Karl, geb. 1828 (1874 zu Linden wohnhaft), Friedrich, geb. 1830 (1874 wohnhaft zu Manchester, England) und der Tochter Katharina Susanna, geb. 1822, verheiratet mit Sebastian Tillmann und zu Koblenz wohnend.

Da von den 7 Kindern des Eberhard Mehl bei der Erbteilung nur 4 genannt wurden, hatten die anderen entweder ihr Erbteil bereits ausgezahlt bekommen, wie die auswärts verheirateten Töchter Magdalena und Katharina Christina oder waren schon verstorben. Im Stockbucheintrag 1875 fehlt Christoph Karl, wahrscheinlich wurde ihm zwischenzeitlich sein Anteil ausgezahlt.

1876 wird im Stockbuch den in der Rheinstraße wohnenden Anliegern ein Wegerecht durch das Anwesen Hauptstraße 26 zugestanden. Den Anliegern ist es gestattet, bei Hochwasser den Zugang zu ihren Häusern über den Hof Hauptstraße 26 zu nehmen. Ebenfalls 1876 wird erwähnt, "der in der Grenze befindliche Brunnen ist gemeinschaftlich mit Hofraithe Nr. 48 Joseph, Fritz und Katharina Tillmann". Hofraithe 48 ist das heutige Haus Hauptstr. 29 (Preusig). Bereits 1773 wird dieser Brunnen erwähnt. Der damalige Besitzer des Hauses Hauptstr. 29 ist Martin Mehl, gefolgt von seinem Sohn Eberhard Mehl, der das Haus erst 1838 an Madame de la Combe verkauft.

1879 wurden Stall und Schweinestall des Hirschen abgerissen und umgebaut. 1887 waren Joseph Mehl und seine Frau Luise geb. Sauermann die alleinigen Eigentümer des Anwesen Hauptstr. 29, nachdem sie die Miteigentümer ausbezahlten. Zu dieser Zeit ist das Haus unter der Nr. 141 in den Unterlagen zu finden. Das Anwesen bestand jetzt aus einem zweistöckigen Wohnhaus, einem Nebenbau und Brennhaus, einem Kelterhaus, einer Scheune und Stall, einem Pferdestall und dem Hofraum, gelegen ist es an der Hauptstraße zwischen Peter Mehl und Prinz von Sayn Wittgenstein Berleburg einerseits und Johann Müller und Johann Nepomuk Eibelmayer anderseits.

1896 ließ Luise, die Witwe des Joseph Mehl das Kelterhaus abbrechen und neu errichten. Um 1900 war Carl Joseph Mehl, der Sohn des Joseph und der Luise Mehl Besitzer der Immobilie. Carl Joseph war verheiratet mit Emma Kranenburg. Drei Kinder sind bekannt, Friedrich, Irmelin und Ingrid. Wie das Adressbuch von 1906 anzeigt, ist Carl Joseph zu der Zeit bereits verstorben. Laut Adressbuch ist jetzt die Witwe im Besitz des Anwesens. Als Beruf ist "Privatier" verzeichnet (adLexikon: Als Privatier bezeichneten sich Neureiche und solche, die durch Erbschaft zu Vermögen kamen, um sich selbst einen vornehmen Berufstitel zu geben. Als Privatier gilt demnach allgemein eine Person, die finanziell so gut gestellt ist, dass sie es nicht nötig hat, zur Deckung ihrer materiellen Bedürfnisse einem Erwerbsberuf nachzugehen). Die Adresse lautete 1906 Hauptstr. 32. Als Mieter werden der Lehrer Ernst Müller, der Arbeiter Friedrich Never und der Bahnarbeiter Josef Rheinberger genannt.

Ernst Müller, geboren in Lenzhahn war von 1901 bis zu seiner Pensionierung 1934 Lehrer zu Niederwalluf. Er war der Nachfolger seines Bruders Richard, der von 1896 bis zu seiner Versetzung nach Frankfurt im Jahre 1901 Lehrer zu Niederwalluf war.

In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts verkaufte die Familie Mehl ihr Anwesen und wanderte nach Amerika aus. Mit einer Enkelin des Carl Joseph stand ich vor einiger Zeit noch in Verbindung. In der Familie wird noch Deutsch gesprochen.

Um 1936 befand sich das Anwesen im Besitz der Witwe Goos. Bei der Witwe Goos handelte es sich sehr wahrscheinlich um die Ehefrau des Hermann Goos, Miteigentümer der damals weltbekannten Niederwallufer Gärtnerei Goos & Koenemann. Die Gärtnerei wurde 1885 von dessen Vater Max Joseph gegründet. Goos übernahm die Bogler`sche Gärtnerei zu Niederwalluf, 1887 nahm er seinen Freund August Koenemann als Teilhaber auf. Unter dem Namen Goos & Koenemann errang die Firma Weltruhm. In der Fachliteratur werden Goos & Koenemann als "Zwei der größten Züchter auf dem Gebiet der Stauden des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis zum zweiten Weltkrieg in Deutschland" genannt. Viele Staudenneuzüchtungen stammten aus diesem Betrieb, so auch eine Paeonia (Pfingstrose) waldaffa.

Um 1940 wurde der Viehhändler August Thon Eigentümer des Anwesens, ihm folgte um 1942 der Weinhändler Josef Becker. Um 1964 wurde er zusammen mit seinem Bruder Friedrich (Fritz) als Besitzer genannt. Um 1990 befindet sich das Haus im Eigentum der Kinder des Josef Becker, den Geschwistern Hans Josef (Hajo) und Maria Becker.

Die Geschwister sind heute Besitzer des Weingutes J.B. Becker. Das Weingut wurde 1893 vom Großvater der Geschwister Jean Baptist Becker gegründet. Hajo Becker ist Fraktionsvorsitzender der BVW (Bürgervereinigung Walluf) und Vorstandsmitglied des Rheingauer Weinbauverbandes. Die Geschwister Becker wohnen in der Rheinstr. 6, dem früheren Schildwirtshaus "Zum schwarzen Adler", aber das ist eine andere Geschichte.

Im August 2005 fanden im Erdgeschoss des "Hirschen" Umbauarbeiten statt und kurz darauf eröffnete Frau M. Kurz in dem historischen Gebäude ein Kaffee.

Blick auf das Haus Hauptstraase 26 (um 2006)


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