Die Niederwallufer Kriegstoten der Jahre 1914 bis 1918

und das Kriegerdenkmal zu Niederwalluf

Reproduktion einer Ansichtskarte, Hergestellt von: Photohaus Tauber, Wiesbaden, Kirchgasse 22

Die AK zeigt eine Kopie der Urkunde, die bei der Grundsteinlegung des Kriegerdenkmales eingemauert wurde.

Der Text der nebenstehenden Ansichtskarte lautet:

Im Jahre 1927

als

Generalfeldmarschall von Hindenburg und Beneckendorf Präsident des Deutschen Reiches, Dr. h.c. Braun Ministerpräsident des Freistaates Preusen, Fritz Ehrler Präsident des Regierungsbezirkes Wiesbaden, Dr. Julius Mühlhens Landrat des Rheingaukreises und Vorsitzender des Kreisausschusses Rüdesheim am Rhein - Regierungsbehörden - Weinhändler Alfred Spiegelhälter Bürgermeister, Architekt Wilhelm Roos Beigeordneter, Gastwirt Johann Baptist Becker Schöffe, Kaufmann Wilhelm Henrich Schöffe, Tapezierer Karl Krohmann Schöffe - Mitglieder des Gemeindevorstandes in Niederwalluf - Gastwirt Julius Becker, Schlossermeistr Kaspar Brückmann, Gastwirt Karl Dönges, Tapeziermeister Otto Fries, Landwirt Lorenz Keppel 3., Landwirt Kaspar König, Fischer Karl Mohr, Gastwirt Karl Müller I., Heizer Anton Nonninger, Gärtnereibesitzer Kurt Vogt, Spenglermeister Friedrich Wehner, Handelsbevollmächtigter Paul Wesemann - Mitglieder des Gemeinderates Niederwalluf _Landwirt Josef Müller, Ortsgerichtsvorsteher, Gastwirt Philipp Müller, Landwirt Josef Keppel und Landwirt Kaspar König - Mitglieder des Ortsgerichtes Niederwalluf waren,

wurde von den Gemeindekörperschaften beschlossen, den 56 * Opfern des Weltkrieges 1914 bis 1918 und zwar:

Friedrich Beicher, Ferdinand König, Johann Ziegler, Karl Jakob Altenkirch, Johann Brückheimer, Franz Johann Wehner, Richard Mehl, Wilhelm Klunk, Wilhelm Bug, Karl Josef Werner, Ludwig Crezelius, Bruno Alwin Paul Ritter, Hugo Ritter, Heinrich Ludwig, Johann Philipp Gottron, Anton Keppel, Karl Friedrich Schepper, Paul Seb. Quetscher, Jakob Schranz, Heinrich Josef Bug, Jakob Wiegand Wisner, Martin Mayer, Josef Eiser, Jakob Stemmler, Peter Josef Führer, Karl Julius Becker, Franz Josef Bug, Ludwig Franz Wilhelm Lingemann, Walter Bernard Oscar Goos, Johann Quetscher, Josef Bär, Wilhelm Keiper, Franz Wilhelm Beinhauer, Anton Bienstadt, Wilhelm Moog, Josef Grundel, Franz Josef Offermann, Lorenz Kirsch, Friedrich Julius Becker, Otto Eichhorn, Karl Votsch, Johann Max Wilhelm Schranz, Karl Ramsbott, Gustav Mayländer, Nikolaus Scharhag, Lorenz Heinrich Keppel, Johann Josef Kron, Adolf Ritter, Kaspar Josef König, Martin Schranz, Johann Brückmann, Wilhelm Fischer, Josef Courtial, Gustav Robert Lange, Jakob Konrad Wehner, Fritz Kurth, Johann Vanvor, Bruno Benecke

ein Denkmal zu errichten, dessen Grundstein heute Sonntag, den 4. März 1928 gelegt wurde. Die Denkmalkommission, bestehend aus dem Herren Dreher Karl Gottron, Fabrikant Franz Hartmann, Kaufmann Wilhelm Henrich, Inspektor Karl Hirschmann, Architekt Louis Müller 2., Steinmetz Wili Müller, Architekt Wilhelm Roos, Gärtner Kurt Vogt, Handelsbevollmächtigter Paul Wesemann hat die von den Bildhauern Willi Josef und Fritz Müller, Söhne des Steinmetzmeisters Wilhelm Müller, Niederwalluf, unter Beratung durch den Leiter des Preusischen Hochbauamtes Rüdesheim, des Regierungsbaurates Poppendieck entworfene Zeichnung des Denkmals aus der Zahl der eingegangenen Entwürfe ausgewählt und wurde die Ausführung von dem Steinmetzmeister Wilhelm Müller zum Preise von 4500.- Reichsmark (1 kg Feingold 2790.- Reichsmark) übernommen. Diese Summe wurde durch freiwillige Spenden in einer einmaligen Sammlung von der Bevölkerung aufgebracht. Der Zuschuß der Gemeinde selbst betrug 1000.- RM. Die nach Kriegsschluß bereits gesammelten Gelder verfielen in den Jahren 1919 bis 1923 der Inflation, welche ihren Höhepunkt mit 1 000 000 000 000 1 Billion Papiermark = 1 Reichsmark am 23. November 1923 erreichte.

Niederwalluf, ein Flecken im Rheingaukreis, zählte im Jahre 1927 264 Häuser, in welchen 450 Haushaltungen mit zusammen 1650 Personen wohnten. Zur Verteidigung des Vaterlandes wurden dann 400 Männer zu den Fahnen eingezogen, wovon, wie oben erwähnt, 56 als Opfer gefallen und 14 so schwer verwundet wurden, daß diesen für die durch Verletzungen verminderte Erwerbstätigkeit Kriegsdienstbeschädigungsgelder in einer Gesamtsummme von 697,60 RM monatlich gezahlt werden müssen.

Der Gemeindebezirk umfaßte 746 Hektar Bodenfläche wovon 36 ha Weinberge, 290 ha Äcker, 14 ha Wiesen und Korbweiden, 319 ha Wald, 59 a Wasser und 32 ha Wege sind. Das Gemeindevermögen bestand im Jahre 1927 218 ha Wald, davon 78 ha im Wispertal gelegen, im Werte von 130 000 RM, 31 ha Äcker und Wiesen, 80 000 RM, Rathaus - Schule und verschiedene Häuser 100 000 RM, verschiedene Habe und Kapitalen 10 000 RM. An Schulden waren für Straßenbauten 30 000 RM vorhanden. Im Jahre 1927 wurden folgende Steuern erhoben: I. Reichssteuern a. vom Einkommen 10 vom Hundert - b. Vermögenssteuer 5 vom 1000 - c. Umsatzsteuer 7,5 vom Tausend - d. Aufbringung für Kriegslasten nach dem Dawes`schen Plan 8,5 vom Tausend und Rentenbankzinsen 5 vom Tausend. II. Preusische Steuern a. vom Grund und Boden (3,6 vom Hundert) zusammen in Niederwalluf 15 000 RM- b. Hauszinssteuer (Zuschläge zu 3,6 v. T. von 375 bis 1200 v. H.) zusammen in Niederwalluf 54 000 RM. III. Gemeindesteuern a. Zuschläge zur staatlchen Grund- und Bodensteuer150 v. H. 21 000 RM. b. Zuschläge zur Gewerbesteuer 150 v. H. 5500 RM. Von den Reichsstuern zu I. beträgt der Gemeindeanteil 25 000 RM.

Die Verwaltung der Gemeinde erfordert einschl. der Bürg.......en jährlich 20 000 RM. Es wurden unter der Leitung des Bürgermeisters der Verwaltungsgehilfe Paul Decku, die Verwaltungsgehilfin Helene Schmidt, der Gemeinderechner Wilhelm Becker, der Polizei(diener?) Martin Ganns, der Feldhüter Philipp Schepper, der Nachtwächter Johann Roos, der Förster Karl Bach, die Hebamme Karoline Wilhelm, der Hausmeister Martin Helm beschäftigt. Für die Wohlfahrtspflege und an Unterstützungen wurden insgesamt 16 000 RM (davon von der Gemeinde selbst zu tragen 6 000 RM) verausgabt. Aus den Gemeindeäckern und Wiesen wurden 5937,69 RM Pachtgelder eingenommen. Die Jagdgerechtsame brachte pro Jahr 1 800 RM ein. Die Einkünfte aus dem Waldbesitz verteilen sich auf, .... aus Holz 6595,20 RM, aus Lohe 2555,03 RM, dafür wurden Holzhauerlöhne mit 3243,20 RM und Abschälerlöhne mit 1509, 35 RM ausgegeben.

Es besteht eine katholische Pfarrgemeinde von 1200 Seelen, sowie eine evangelische Pfarrgemeinde in Erbach mit 450 Seelen in Niederwalluf. Katholischer Pfarrer ist Georg Ludwig in Niederwalluf, evangelischer Pfarrer Karl Weckerling mit dem Wohnsitz in Erbach. Beide Konfessionen besitzen je 1 Kirche. Es waren 65 Schüler und 73 Schülerinnen vorhanden, welche in einer achtklassigen Volksschule unter Leitung des Hauptlehrers Michael Weller, von dem Lehrer Ernst Müller, der Lehrerin Martha Henrich und dem Hilfslehrer Wilhelm Kramer unterrichtet wurden. Die Aufwendungen für die Schule betrugen a. Gehälter 18 403,27 RM, b. Sächliche Kosten 14 974, 83 RM. Von diesen Kosten trägt der Kreis 25 351,27 RM, die Gemeinde 8026,83 RM. Ferner ist eine Kleinkinderbewahranstalt unter der Leitung des Ordens der armen Dienstmägde Christi, mit dem Mutterhaus in Dernbach vorhanden.

Ungefähr ein Drittel der Bevölkerung beschäftigt sich in der Landwirtschaft, in Wein- und Gartenbau. Es bestanden 30 Gewerbebetriebe und zwar: 3 Bäcker, 1 Dachdecker, 4 Friseure, 1 Konditor, 3 Maler (bzw. Tüncher), 2 Metzger, 3 Schlosser, 1 Schmied, 2 Schneider, 2 Schreiner, 3 Schuhmacher, 2 Spengler, 1 Steinmetz, 1 Wagner, 1 Zimmermann, ferner 12 Gasthäuser und Schankstätten, Handelsbetriebe wie: Weinhandel, Obsthandel und Handelsgärtnereien, weiterhin Fabrikbetriebe wie: Konservenfabrik, Schwarzfarbenfabrik, Maschinenfabrik, sowie 2 Boots- und Yachtwerften.

Ortsüblicher Tagelohn war für ungelernte Arbeiter 5,60 RM bei achtstündiger Arbeitszeit, gelernte Arbeiter erreichten Löhne bis 9,60 RM (Maurer), Das Kilo, 1000 Gramm kostet: Ochsenfleisch 2,40 RM, Kalbfleisch 2,40 RM, Schweinefleisch 2,30 RM, Butter 4,80 RM, Mehl 0,60 RM, Roggenbrot 0,35 RM, Erbsen 0,96 RM, Linsen 0,84 RM, Bohnen 0,56 RM, Zucker 0,65 RM; der Liter Oel 1,40 RM, der Liter Milch 0,32 RM; ein Paar Schuhe 20,00 RM, Männerkleidung: ein Anzug 100,00 RM

Das Denkmal wird voraussichtlich im Mai 1928 vollendet sein. Die Höhe dieser Grundsteine entspricht dem Hochwasserstand von 1882, dem Höchsten bis jetzt gemessenen Hochwasserstand des Rheines.

Möge Gott das Denkmal vor Hochwasser bewahren und unsere Heimat Niederwalluf gnädig beschützen.

Geschrieben, den 4. März 1928, am Tage der Grundsteinlegung

der Gemeindevorstand

die Gemeindeverwaltung

Spiegelhalter

Bürgermeister

Becker

Keppel

Nonninger

Roos

Beigeordneter

Brückmann

König

Vogt

Becker

Schöffe

Dönges

Mohr

Wehner

Henrich

Schöffe

Fries

Müller

Wesemann

Krohmann

Schöffe

* In der Urkunde ist von 56 gefallenen Niederwallufer Bürger die Rede. Wenn man aber die aufgeführten Namen zählt, kommt man auf 58 Gefallene.

Wegen der Übersicht habe ich hier die Namen der Kriegsopfer nochmals alphabetisch aufgelistet:

Altenkirch, Karl Jakob

Gottron. Johann Philipp

Quetscher, Paul Seb.

Bär, Josef

Grundel, Josef

Ramsbott, Karl

Becker, Friedrich Julius

Keiper, Wilhelm

Ritter, Adolf

Becker, Karl Julius

Keppel, Anton

Ritter, Bruno Alwin Paul

Beinhauer, Franz Wilhelm

Keppel, Lorenz Heinrich

Ritter, Hugo

Beischer, Friedrich

Kirsch, Lorenz

Scharhag, Nikolaus

Benecke, Bruno

Klunk, Wilhelm

Schepper, Karl Friedrich

Bienstadt, Anton

König, Ferdinand

Schranz, Jakob

Brückheimer, Johann

König, Kaspar Josef

Schranz, Johann Max Wilhelm

Brückmann, Johann

Kron, Johann Josef

Schranz, Martin

Bug, Franz Josef

Kurth, Fritz

Stemmler, Jakob

Bug, Heinrich Josef

Lange, Gustav Robert

Vanvor, Johann

Bug, Wilhelm

Lingemann, Ludwig Franz Wilhelm

Votsch, Karl

Courtial, Josef

Ludwig, Heinrich

Wehner, Franz Johann

Crezelius, Ludwig

Mayer, Martin

Wehner, Jakob Konrad

Eichhorn, Otto

Mayländer, Gustav

Werner, Karl Josef

Eiser, Josef

Mehl, Richard

Wisner, Jakob Wiegand

Fischer, Wilhelm

Moog, Wilhelm

Ziegler, Johann

Führer, Peter Josef

Offermann, Franz Josef

-

Goos, Walter Bernard Oscar

Quetscher, Johann

-

Blick auf das neu erbaute Kriegerdenkmal (1928)

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© Norbert Michel 2005