Einiges zur Geschichte der Pfarrkirche zu Niederwalluf

© Norbert Michel

Die in der Kirchgasse (damals Kettengasse) gelegene, erstmals um 1314 erwähnte Adelheidskapelle wurde in den Jahren 1714 bis 1719 durch den damaligen Oberschultheißen Peter Kirn (siehe Beiträge zur Wallufer Ortsgeschichte, Heft 1, "Die Wallufer Schultheißenfamilie Kirn") renoviert und erheblich erweitert.

Einem zeitgenössischen Bericht, von Peter Kirn selbst verfasst, ist zu entnehmen, welche Arbeiten er an der Adelheidskapelle vornehmen lies:

  • 1718 wurde die Pfarrkirche um den dritten Teil vergrößert und mit neuen Mauern, Dach und Holzwerk versehen. Neue eichene Stühle wurden angeschafft, Fenster und Türen erneuert und eine neue steinerne Treppe an "ain Bordkirch" erbaut.

  • 1728 ließ Peter Kirn zwei Glocken umgießen, es waren wahrscheinlich alte Glocken aus der Johanniskirche. Glockengießer war Georg Christoph Roth aus Mainz. Zumindest eine dieser Glocken war 1917 noch vorhanden, dann wurde sie beschlagnahmt und eingeschmolzen.

  • 1729 baute der Großuhrmacher Matthias Reissner aus Mainz eine große neue Kirchturmuhr in den Turm ein. Die alte Uhr wurde in Zahlung gegeben. Mit Aus- und Einbau der Uhr beliefen sich die Kosten auf 76 Gulden und 50 Kreuzer. Der Kirchhof wurde vergrößert, nach der Gasse zu mit einer neuen Mauer versehen. Der Kirchhof und um den Kirchhof herum bis zur Schule wurde gepflastert.

  • 1731 wurde der große Bogen am Kirchenchor erweitert, die Orgel verbessert, 2 Altäre wurden versetzt und 2 neue Beichtstühle aus Nussbaumholz angefertigt. Ein großes Ciborium (Tabernakel) von Silber gegen ein kleines ausgetauscht. Auch ein silberner Kelch wurde gegen einen alten mit kupfernem Fuß ausgetauscht. Eine große Ampel aus Messing wurde für die Kirche gekauft.

  • 1737 wurde in den neu angebauten Teil der Kirche ein großes Fenster gebrochen, mit steinernem Rahmen versehen, worauf "meines großvatters seel. und mein merck (Wappen) angebracht wurde". In die Kirche einen neuen " Weiberstuhl " ebenfalls mit Wappen versehen. Der Kreuzaltar wurde mit Nussbaumholz eingefasst. In den Chor kam ein Stuhl aus Nuss- und Eichenholz, der ebenfalls mit Peter Kirns Wappen versehen war.
    Wahrscheinlich um 1719 wurde die Adelheidkapelle zur Niederwallufer Pfarrkirche erhoben. Anderen Quellen zufolge (Hans Feldtkeller, "Die Kunstdenkmäler des Landes Hessen", Deutscher Kunstverlag 1965) geht man allerdings davon aus, dass die Adelheitskapelle bereits um 1671 Niederwallufer Pfarrkirche war.

In den Jahren 1655/56 sammelte der damalige Pfarrer, der Dominikanerpater Ambrosius Fulgentius Geld, um Kirche und Altäre der Johanniskirche, nach den Zerstörungen des 30 jährigen Krieges wieder instand zu setzen. Also zumindest zu dieser Zeit wurde die Johanniskirche noch als Pfarrkirche genutzt.

Verschiedene Teile, wie Glocken, Taufstein, Kanzel, Statuen, und sicher auch die beiden Seitenaltäre der neuen Pfarrkirche stammen aus der Johanniskirche.

Norbert Brühl ("Geschichte der kath. Kirchengemeinde zu Niederwalluf", in "Niederwalluf 770 - 1970", Gemeindevorstand Niederwalluf 1970) vermutet, dass auch der Hochaltar aus der Johanniskirche stammt.

Der Hochaltar entspricht vom Stil her dem Barock, der in Europa etwa in der Zeit von 1600 - 1750 der vorherrschende Kunststil war und daher vom zeitlichen Ablauf noch in der Johanniskirche gestanden haben könnte.

Wenn man sich aber den heutigen Hochaltar mit den beiden Seitenaltären in der Johanniskirche vorstellt, bekommt man eine Ahnung, dass da mit den Größenverhältnissen einiges nicht passt, kurz gesagt, mir erscheint der Hochaltar in der jetzigen Form zu groß für die Johanniskirche.

Man hat wahrscheinlich Teile des alten Hochaltares in die Adelheidskapelle übertragen und erst im Laufe der Umbauarbeiten um 1719 dem Altar die heutige Form gegeben. Diese These wird gestärkt durch Feldtkellers Beschreibung des Hochaltares: "Auf Säulen verkröpfter Segmentgiebel, darüber Aufsatz mit Kartusche. Das Retabel (Altaraufsatz) Ölmalerei auf Leinwand mit Darstellung des Abendmahles. Auf dem Aufsatz sowie über der Leuchterbank Engel. 1. Viertel 18. Jahrhundert."

1749 ist der Hochaltar in seinen wesentlichen Teilen dann auf jeden Fall bestand der neuen Pfarrkirche. Dem 1699 beginnenden Niederwallufer Gerichtsprotokollbuch ist auf Seite 65 die folgende Einragung entnommen:

"1749, d 23ten May nach mittags zwischen 4 und 5 uhr hatt das Gewitter in allhiesigen Kirchen Thurm Eingeschlagen, durch den Chorboden herunter und ahn dem hohen Altar underschiedlichen Schadten gethan, als oben auff dem hohen aussen Thurm den Stern herunter, viele Leyen (Schieferziegel) ahn dem Thurm herabgeschlagen, so forth zum Thurm unden hinein und in dem Durch Zug Ein Spelter (Synonym für Figur, Kerzenhalter oder ähnliches aus Metall) abgerissen, und durch den gedibbelten (?) boden herunter ahn drey orthen den grosen Engels Kopf mitten am Altar in drey stücken und der Mutter Gottes die Cron herunter geschlagen, und ahn underschiedlichen orthen des Altars die Verguld= und Versilberung bis auff den grund hinweg genohmen, in dem Tabernackel hatt mann dasselbe auch hin und wieder verspühret, die Antipendium (Altartuch) rahme auseinander gerissen wie auch ein Verguldetes ledernes und schwartzes Antipendium sambt dem auff dem Altar gelegene grünen gewichtsten tuch zerfetzet, und ahn underschiedlichen orth die Maueren ladiret (beschädigt), bey den runden Fesntern im Chor viele Scheiben zerschmettert und Versprengt nachgehendts hatt sich befunden, da ahn dem neuen uherbrett (Zifferblatt der Uhr) nach Waldt zu die 10 = 11 = und 12te Ziffer ausgelöschet, und das Eiserne Zeiger stängelgen, ahn welchem 2 eisene rädger herunter geschlagen, ahn welchen rädger etliche Zähnger Verschmoltzen, bey allem deme aber ist dieses gott sey Danck ein Kalter schlag gewesen, und kein Brand dabey entstanden, die Beschädigung vom Chor hatt mann des andern Tags so gleich den Herren Peters Herrn ahngezeigt, welche sich auch Verobligiret, dasselbe wiederumb repariren zu lassen. (Der Mainzer Petersstift war zum Unterhalt der Niederwallufer Pfarrkirche verpflichtet)".

Der Hochaltar wurde wieder instand gesetzt und bei der Gelegenheit wurden wahrscheinlich auch, wie bei später erfolgenden Renovierungsarbeiten Veränderungen vorgenommen.
Nachfolgend zwei Photos, die den Zustand des Hochaltares um 1940 (links) und ab ca. 1954 zeigen:

Kopie der Seite 65 des Gerichtsprotokollbuches Niederwalluf. Die Abbildung zeigt den Bericht über den Blitzeinschlag in den Turm der Pfarrkirche zu Niederwalluf am 13. Mai 1749.

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